Sonntag, 28. September 2025

Wilderer und Büffelherden - oder - Bestatter-Konferenz im Blätterdach

Die Bushwalks der nächsten Tage führten uns in die verschiedenen Lebensräume rund um unser Camp herum. Immer wieder gerne genommenes Zwischenziel war der Fevertree Wald mit seinen angenehmen Grüntönen und dem dankbar in Anspruch genommenen Schatten. Auf einem der Trips gesellte sich zu diesen angenehmen Sinneseindrücken jedoch eine olfaktorische Belästigung in Form eines säuerlich beißenden Geruchs, der von Meter zu Meter zunahm. Als wir uns einem Gebüsch näherten stob gleich ein ganzes dutzend Marabu-Störche auf, was der Szenerie die bedrückende Atmosphäre eines Feueralarms bei einer Bestatter-Konferenz verlieh. 



Im Vergleich zu den in Deutschland heimischen Störchen sind die schwarz-grauen Marabus nicht unbedingt mit optischer Gefälligkeit gesegnet und es verwundert nicht, dass man ihren europäischen weiß-schwarzen Verwandten nachsagt, dass sie die Babies bringen; wären es die Marabus, dann wären die Geburtenraten wohl noch weiter im Keller. Eine Horde fliehender Aasfresser in Verbindung mit dem vorsichtig ausgedrückt sehr gewöhnungsbedürftigen Geruch ließ bereits erahnen, was hinter der nächsten Ecke auf uns wartet. Und tatsächlich fanden wir die Reste eines Elefanten vor, der mit einer Schlinge am Fuß wohl als unbeabsichtigter Beifang von Wilderern geendet ist.


Aufgrund der unmittelbaren Nähe zu Zimbabwe sind Wilderer und insbesondere die von ihnen ausgebrachten Schlingen ein großes Problem für die ansässigen Tiere. Im Gegensatz zu den Wilderern, die es auf Nashorn oder Elefanten abgesehen haben um deren Hörner oder Stoßzähne zu verkaufen handelt es sich bei denjenigen im Norden überwiegend um Einheimische, die mithilfe der Schlingen Tiere erlegen wollen um anschließend deren Fleisch entweder selbst zu verzehren oder zu verkaufen. 
Immer wieder sind wir auch Einheiten der "Anti-Poaching-Force" begegnet, die in Geländewagen und mit Sturmgewehren bewaffnet versuchen, die Eindringlinge im Nationalpark zu stellen, aber wohl nur mit wenig befriedigendem Erfolg. Auch auf unseren Touren sind wir immer wieder über Fußspuren gestolpert, die von Wilderern stammen und immer wieder haben wir Schlingen oder Stahlseile gefunden. 



Die Schlingen werden dabei mit einem Ende fest an einem Baum verankert und dann als große Schlinge auf Kopfhöhe der Büffel im Unterholz auf den Wildwechseln befestigt. Läuft dann ein Büffel oder ein anderes Tier durch die Schlinge, so zieht sie sich zu und die Tiere ersticken entweder oder reißen sich in Panik geraten ganze Gliedmaßen ab.
Auf diese Art muss auch der kleine Elefant ums Leben gekommen sein und auf den Ästen um ihn herum waren überall Geier und Marabus zu sehen.
Nach diesem sehr wenig beschaulichen Anblick konnten wir zum Glück einige Zeit später das erste Mal eine Herde Büffel in freier Wildbahn zu Fuß beobachten. Auch wenn Büffel mit ihrem Kuh-artigen Äußeren zunächst Recht pazifistisch und gemütlich erscheinen, sind sie im Norden des Krüger Nationalparks für die meisten Zwischenfälle verantwortlich. Insbesondere ihre Eigenschaft, einer Störung durch Außenseiter auf den Grund gehen zu wollen anstatt - wie viele andere Tiere - einfach das Weite zu suchen sorgt dafür, dass man gut aufpassen muss wenn man sich einer Herde nähert. Noch gefährlicher sind einzelne ältere Büffel, die sich von der Herde abgesetzt haben und entweder alleine oder mit mit anderen männlichen Ku(h)mpels ein Leben in Unabhängigkeit der Herde führen. Diese älteren Büffel sind dafür bekannt, dass sie von teils lateinamerikanisch-feurigem Temperament sind, was man unter anderem der Tatsache zuschreibt, dass ihnen im Alter die Haare an Rücken und Gesäß ausfallen und sie dort dann wohl an chronischem Sonnenbrand leiden. Um dem zu begegnen suhlen sie sich ganz besonders gerne im Schlamm, was ihnen den Namen "Dagga-Boy" eingebracht hat, wobei "Dagga" ein Wort für Schlamm in einer der traditionellen afrikanischen Sprachen ist. 
Unsere Herde Büffel war aber zum Glück noch wohlbehaart und zeigte auf unsere Anwesenheit keine Aggressivität. Interessant zu beobachten war, dass die Herde sich in zwei Teile aufgeteilt hatte, ein paar jüngere Bullen auf unserer linken Seite und eine Mutter mit jungem und ein paar älteren Bullen auf unserer Rechten. 
Während die Youngsters mit angestrengter Mine, ausgebreiteten Ohren und gehobenem Kopf ganz genau beobachten wollten was die Zweibeiner in ihrer Nähe dort treiben waren die erfahreneren Büffel vollkommen unbeeindruckt von unserer Anwesenheit und abgesehen von einem regelmäßigen Kontrollblick in unsere Richtung bekamen wir wenig Aufmerksamkeit. 




Für uns war das ein lehrreiches Exempel, wie Tiere der selben Spezies äußerst unterschiedlich auf menschliche Annäherung reagieren. 
Auf dem Rückweg passierten wir dann ein Passage mit hohem Gras zu unserer Rechten, als plötzlich ein Rascheln an unsere Ohren Drang und die Halme anfingen sich zu bewegen. Vor meinem inneren Auge sah ich schon den Leoparden aus der Deckung der Vegetation auf uns zuspringen um sich ein Stück der weit und breit wohl leichtesten Beute zu sichern. Unser Instructor Ross zeigte jedoch kaum Regung und statt sein Gewehr in den Anschlag zu bringen lief er einfach unbeirrt weiter. Wenige Sekunden des Raschelns später sauste dann ein Warzenschwein mit steil in die Luft gerecktem Schwanz aus dem Gebüsch und querte unseren Weg um in der nächsten Deckung zu verschwinden. Auch wenn ein Warzenschwein vermutlich Schwierigkeiten haben würde, einen Menschen zu erlegen und kein besonders gefährliches Tier darstellt, so hat uns die Begegnung doch sehr bewusst gemacht, wie einfach es einem schlecht gelaunten oder hungrigem Tier fallen muss, sich in der Teils dichten Vegetation zu verstecken und wie wenig Zeit einem bliebe, sich selbst von der Speisekarte wieder streichen zu lassen.

Samstag, 27. September 2025

Erste Ausflüge - oder - Knallstock-Kung-Fu

Die erste Nacht im Camp hatte schon dadurch einen besonderen Flair, dass wir von einer Mondfinsternis begrüßt wurden. Kaum angekommen, konnten wir schon erkennen wir sich eine Scheibe von unten vor dem Mond schob, bis er letztendlich ganz verschwand. Nachdem ich zum dem Heulen von Hyänen in der Ferne und dem Geräusch von Elefanten, die sich Wegzehrung in Gestalt von unterarmdicken Ästen pflücken einschlafen konnte, durfte ich mich wieder ganz in der Wildnis angekommen fühlen.



Am nächsten Tag stand unser erster Ausflug zu Fuß an, der uns zunächst über eine trockene steppenartige Ebene führte, in der vereinzelte vertrocknete und stachelige Büsche und Grasbüschel die einzige Vegetation darstellen. Und obwohl die Erde so lebensfeindlich erscheint, konnten wir schon von Anfang an überall die Spuren der vormals vorbei gezogenen Tiere erkennen. Neben den großen runden Elefantendung Haufen und den Zebra-Äpfeln und Büffel-Fladen war der Boden übersäht von Fußabdrücken und Spuren, von Knochen und Löchern, die offensichtlich zur Nahrungsbeschaffung ausgehoben wurden. Ich habe dann direkt versucht, mich daran zu erinnern welches Tier für die Spuren wohl verantwortlich sein könnte, aber zugegebenermaßen brauchte es einige Tage bis Teile des Wissens aus dem letzten Kurs dann wieder in mein Gehirn sickerten. 


Nach einer groben dreiviertel Stunde kam dann Übergang von trockener, sandiger Landschaft zu einem regelrechten Wald, der mit seinem Fevertrees und deren charakteristischen grünen Rinde einen kompletten Kontrast zu der kahlen Ebene darstellten. Aus den Gipfeln der Bäume waren immer wieder Vogelrufe zu hören und auch die Erinnerung an die verschiedenen Vogelstimmen sollte erst nach einigen Tagen wieder ihren Weg in mein aktives Gedächtnis gefunden haben. 



Aber der Schatten der Bäume war eine dankbare Abwechslung zu der im Tagesverlauf schnell einsetzenden Hitze in der offenen Fläche. Und wo Grünfutter ist sind Rüsseltiere selten weit und schon nach kurzer Zeit sind wir unserem ersten Exemplar der "Big 5" über den Weg gelaufen. Gemütlich die Äste der Fevertrees zwischen seinen riesigen Mahlzähnen vermalmend war er sich der Masse an Schaulustigen gar nicht gewahr, die sich langsam näherten. 



Und genau darum soll es bei den Bushwalks auch gehen - sich den "gefährlichen" Tieren anzunähern, idealerweise ohne selbst entdeckt zu werden und die Tiere so zu stören. Zum "Dangerous Game" gehören dabei definitionsgemäß die Big 5 - Elefant, Büffel, Nashorn (Spitzmaul und Breitmaul), Löwen und Leoparden - sowieso Tüpfelhyänen, Krokodil und Flusspferde. 
Während der Ausbildung müssen sogenannte "Encounters", also Begegnungen mit diesen Tieren gesammelt und dokumentiert werden, was dann gemeinsam mit der insgesamt zu Fuß in Busch absolvierten Zeit ein Zulassungskriterium für die Abschlussprüfung ist. Dabei sollen wir beispielsweise lernen, anhand der Windrichtung, Sonnenstand,  möglicher Deckung durch Bewuchs oder Landschaft und der zu erwartenden Bewegungsrichtung der Tiere lernen zu planen, wie man ihnen nahe kommen kann, ohne sie unnötig zu stören oder sogar aggressive Reaktionen hervor zu rufen. 
Eine große Rolle spielen dabei auch die jeweils äußerst unterschiedlich ausgeprägten Sinneswahrnehmungen der einzelnen Gattungen. So hat der Elefant beispielsweise ein hervorragendes Gehör und einen ausgezeichneten Geruchssinn, jedoch sind seine Augen trotz seiner Größe nur so groß wie die eines Menschen und er kann nur auf ca. 50m scharf sehen. In solchen Fällen ist es also von größter Wichtigkeit, sich von der windabgewandten Seite, also von Lee her zu nähern und möglichst keine Geräusche zu verursachen. 
Mit all den Stöcken und trockenen Blättern auf dem Boden ist das allerdings alles andere als einfach. Insbesondere der Appleleaf Tree hat seinen Namen daher, dass beim zertreten seiner herabgefallenen Blätter das Geräusch entsteht, das bei einem kräftigen Biss in einem Apfel zu hören ist. Nicht schwer vorstellbar, dass der Elefant in solchen Fällen allein schon aufgrund des recht geringen Angebots an freilaufenden Äpfeln weniger von einem schmatzenden Artgenossen als von sich nähernden Zwei- oder Vierbeinern ausgeht und sich aufmerksam umschaut und den Rüssel reckt.
In solchen Fällen zu erkennen, ob das Tier zunächst einmal versucht den potenziellen Störenfried in seiner Nähe auszumachen oder ob er aufgrund eines ausgeprägten Stimmungstiefs seine Vorbereitungen zum Angriff trifft ist eines der wichtigsten Lernziele der nächsten 4 Wochen.
Der eine Elefant sollte an diesem Tag das einzige gefährliche Tier bleiben, dem wir uns hätten nähern können und nach 4,5h und einer Kaffeepause inmitten des Waldes waren wir zurück in Camp.
Gegen Nachmittag hatten wir dann die erste Einheit an Trockenübungen im Umgang mit den Gewehren, die von mindestens zwei Personen bei jedem Gang mitgeführt werden. Mit Übungspatronen ohne Schießpulver begannen wir dann zu üben wie wir überprüfen, dass die Gewehre in einem sicheren Zustand sind, also sich weder eine Patrone in Lauf, noch im Magazin befindet - anders als ich es aus Deutschland gewöhnt bin wird hier dafür der kleine Finger verwendet um in der Kammer des Gewehres zu erfühlen ob dort irgendwas an Munition sein Unwesen treibt, der sogenannte "Pinky-Check". Mitgeführt wird das Gewehr draußen dann in einem Zustand der als "Stage 2" bezeichnet wird und bei dem zwar das Magazin voll geladen ist, aber keine Patrone im Lauf liegt und der Schlagbolzen nicht gespannt ist. Auf diese Weise soll vermieden werden, dass es zu unabsichtlicher Abgabe von Schüssen kommt, es muss also vor der Schussabgabe erst Mal eine Patrone aus dem Magazin in den Lauf repetiert werden. Eine "normale" Sicherung gibt es bei diesen Gewehren nämlich nicht, bzw. wird sie entfernt um zu vermeiden, dass in Stresssituationen dem herangalloppierenden Büffel statt einer Kaliber .458 Kugel nur ein metallisches "Klack" entgegen fliegt. Im Gegensatz zum Umgang mit Schusswaffen, bspw. Beim Jagen oder Sportschießen ist dabei allerdings zu beachten, dass der zeitliche Rahmen, der für die Handhabung der Waffe zur Verfügung steht ziemlich genau jener ist, den ein nahendes, missgelauntes Tier braucht um einen alternativ auf die Hörner oder Eckzähne zu nehmen. Sämtliche Manöver müssen in der Prüfung also unter beträchtlichem Zeitdruck absolviert werden und dementsprechend bestehen unsere Nachmittage die ersten 8 Tage darin, die Abläufe immer und immer wieder zu wiederholen um im Fall der Fälle auf die (hoffentlich) automatisierten Bewegungsabläufe zurück greifen zu können. 


Nach drei Stunden des Repetierens, Ladens und Sicherheitsüberprüfens war danach dann aber auch mein Bedarf an Knallstock-Kongfu gesättigt und als Kontrastprogramm habe ich mir ein Plätzchen gesucht um meine Hängematte aufzubauen und ein wenig den Blick in die angrenzende Landschaft zu genießen.

Freitag, 26. September 2025

Trails Guide in Afrika - oder - neues von der Wifi-Insel

Die folgenden Zeilen habe ich während der letzten 5 Wochen im Makuleke Nationalpark geschrieben, doch veröffentlichen konnte ich sie dort nicht - es gab schlichtweg kaum Internet. Abgesehen von einer Insel des Wifi über Satelitenanbindung, an der wir unsere Handys für 2-3 Stunden täglich Internet-baden lassen konnten, in der Hoffnung dass nach dieser Zeit ein paar Nachrichten synchronisieren.
Also werde ich die Artikel in den nächsten Tagen mit Bildern versehen und hoch laden - und auch wenn es vielleich etwas verwirrend ist: Ich bin mittlerweile wieder zurück und die Einträge spielen in der Vergangenheit.

 

Nachdem ich mich die letzten Monate mit verschiedenen Projekten beschäftigt gehalten habe, bricht jetzt mit einer Reise nach Afrika das vorraussichtlich erst mal letzte Kapitel meiner Auszeit an. Als kleines Highlight habe ich mich für den Trail Guide Kurs von Ecotraining angemeldet, der Ausbildungsorganisation bei der ich auch schon vor 3 Jahren meinen zweimonatigen Wildlife Kurs in afrikanischen Busch absolviert habe. Doch wo wir uns vor 3 Jahren noch in der Geborgenheit eines Allradfahrzeugs durch die Savanne geschlängelt haben, wollen wir den Großwild diesmal auf unseren eigenen zwei (evolutionär vollkommen benachteiligten) Beinen näher kommen. Was einem schon beim allerersten Ausflug in die Wildnis eingetrichtert wird hat gerade bei Ausflügen zu Fuß größte Bedeutung: "whatever happens, don't run", denn auch wenn der ein oder andere Safarigast zwar äußerliche Merkmale mit beispielsweise Hippos oder Elefanten teilt, so hat sich die Evolution einen Spaß daraus gemacht, dass selbst die Schnellsten unserer Spezies mit rund 38km/h Topspeed grade eben so ein gut genährtes Flusspferd hinter sich lassen. Alles andere, was uns so gefährlich werden kann, wie Büffel, Hyänen, Löwen oder Elefanten sind sowieso viel schneller. 

"Was du nicht in Hirn hast, musst du in den Beinen haben" bekomme ich häufig genug vorgehalten, wenn ich wieder irgendwas irgendwo vergessen habe und mich fluchend auf einen Fußmarsch mache um das Gesuchte einzusammeln,  aber interessanterweise ist es hier genau anders herum. Als körperlich eindeutig Unterlege Tierart müssen wir uns unterwegs hier auf den menschlichen Erfindergeist verlassen und der manifestiert sich bei den Bushwalks in Form einer Großkalibrigen Schusswaffe, die wir als letztes Mittel der Konfliktlösung mit uns tragen. Teil der Ausbildung hier ist es dementsprechend auch, einen sicheren Umgang mit diesem Knallstock zu pflegen und vor allem im Ernstfall auch dort Löcher zurück zu lassen, wo sie dem geordneten Rückzug der Wanderleute dienlich sind.
Damit wir als Schüler also auch an scharfen Waffen ausgebildet werden können begann mein Aufenthalt in Afrika am ersten Tag damit, dass wir einen Sachkundenachweis für Schusswaffen nach südafrikanischem Recht hinter uns bringen mussten. Der bestand einerseits aus einer ganzen Reihe theoretischer Fragen, die insbesondere rechtliche Rahmenbedingungen, sowie Aufbau der Waffen und Munition umfassen. Nicht alle der dort abgefragten Gesetzesnormen sind für den Mitteleuropäer sofort einleuchtend, so ist es absolut legal eine geladene Schusswaffe in der Öffentlichkeit bei sich zu tragen, aber nur wenn sie so mitgeführt wird, dass sie keiner sieht. Abgesehen davon ist es in der Tat notwendig, dass bei Eheleuten vor Beantragung eines Waffenscheins der jeweilige Partner für den Antragsteller ein frei zu formulierendes Charakterzeugnis erstellt, in dem unter anderem Erwägung zu finden hat, dass man nicht davon ausgeht dass der Partner einen in naher Zukunft mit der neu erworbenen Schusswaffe umbringen will. Mich würde sehr interessieren, ob und welchen Einfluss die Einführung dieser Vorraussetzung auf interfamiliäre Mordfälle hatte. 

Neben der theoretischen Prüfung galt es dann, eine praktische Schießprüfung abzulegen, die darin bestand, ein DIN A4 Papier aus einer Entfernung von 10m mit 5 von 5 Schüssen zu treffen. Auf unserem Blatt Papier war zwar eine Zielscheibe abgedruckt, aber als ich erfahren habe, dass es ausreichend ist irgendwo auf das Papier zu treffen um als "sachkundig" bewertet zu werden, war ich dann noch weniger sicher wie begeistert ich davon bin das grundsätzlich jeder legale Waffenbesitzer sein Schießeisen auch in der Öffentlichkeit ausführen darf.

Nachdem wir dann glücklicherweise auch die Hürde der praktischen Prüfung genommen hatten, war uns zumindest schon mal das PFTC Zertifikat (Professional Firearm Training Counsel) sicher und wir konnten uns noch ein wenig Johannesburg anschauen bevor es mit dem Buschbus ins Makuleke Private Game Reserve geht.




 In Ermangelung besserer Ideen und weil ich die meisten touristischen Highlights bei meinem letzten Besuch schon abgegrast hatte, habe ich mich in einen roten Doppeldeckerbus gesetzt und mich ein wenig durch die Stadt gondeln lassen.
Nachdem ich mich dann auf dem Rückweg per Uber am Gasthaus habe absetzen lassen und wenige Momente später mein Handy zücken wollte hatte ich einen kurzen Schockmoment - das Handy musste mir im Auto aus der Tasche gefallen sein und der Uber Fahrer war aber schon nicht mehr in Sicht. Eine leichte Panikattacke später bot mir der Mitarbeiter im Gasthaus an, dass ich sein Handy benutzen könne um meines zu suchen. Dank der Ortung über Google "Find my Device" konnte ich sehen, dass mein Handy in einem Hotelparkplatz gleich um die Ecke sein Dasein fristet. Nach einem Sprint mit dem ich sicherlich den meisten Flusspferden entkommen wäre kam ich zwar am Parkplatz an aber konnte grade noch die Rücklichter des Autos wegfahren sehen. Ein weiterer Sprint zurück ins Gasthaus und sehr viele versuchte Anrufe auf mein eigenes Handy später hatte ich die in diesem Moment engelsgleich erscheinende Stimme des Uber Fahrers am Rohr und konnte mit ihm einen Übergabepunkt ausmachen, sodass ich eine halbe Stunde später um ein Handy und er um ein großzügiges Trinkgeld reicher waren.
Nach dem Schrecken hatten wir dann für den Abend mit einigen der Teilnehmer des Trails Guide Kurses, die auch schon in Johannesburg warteten ein Abendessen organisiert. Was bei der Wahl des Restaurants nicht offensichtlich war, ist dass es Teil eines riesigen Kasino Komplexes war und so haben wir den letzten Abend in der Zivilisation mit einem Hauch von Las Vegas unter einer nackten Elvis-Statue portugiesische Fleisch-Spieße verzehrt. 
Am nächsten Tag ging morgens um sieben der Bus Richtung Norden, zum äußersten nördlichen Zipfel des Krüger Nationalparks. Dort befindet sich, ungefähr zwei Autostunden von der nächsten größeren Menschensiedlung entfernt das Camp in dem wir die nächsten 4 Wochen verbringen werden. 



Im Vergleich zu anderen Camps leben wir hier im absoluten Luxus und statt der sonst üblichen Zelte gibt es hier Hütten mit eigenem Bad. 




Der Tagesablauf besonders der ersten Tage ist allerdings straff durchgeplant - geweckt wird morgens um 05:00 Uhr - außer es steht etwas besonderes an, wie der Besuch der Schießbahn, dann ist es 04:00 Uhr. Nach einer kurzen Phase, in der die Teilnehmer mit mehr oder weniger Gewalt versuchen ihre Augenlider auseinander zu bringen, gibt es eine halbe Stunde nach dem Aufstehen die Möglichkeit, diesen Vorgang durch die Einnahme Kaffee-artiger Substanzen zu beschleunigen. Und gegen die größten Löcher im Magen werden Rusks bereitgestellt, Kekse die so trocken sind wie das Land hier und erst Mal durch tunken in ein Heißgetränk in einen verzehrbaren Aggregatezustand überführt werden müssen. Mit den ersten Sonnenstrahlen um 6:00 Uhr setzen sich dann zwei Gruppen parallel zu Fuß in Bewegung und marschieren meinst so 4-5h durch die Wildnis bis gegen 11 Uhr dann im Camp ein Frühstück eingenommen wird, das eher einem Brunch gleicht. Neben Bacon, Porridge und frischen Früchten kommen wir hin und wieder auch in den Genuß frisch gebackenen Brotes oder frittierter Teigbällchen, die aufgrund ihres Fettgehalts vermutlich notfalls als behelfsmäßige Kerze oder als Rostschutz für Auto verwendet werden können, aber hervorragend schmecken.
Unmittelbar nach dem Frühstück wartet dann eine Einheit Theorie auf uns, in der wir neben der Eigenheiten und Verhaltensweisen der einzelnen Tierarten auch lernen, was einen guten Trails Guide ausmacht. Nach der Vorlesung wartet dann meist schon ein "Mittagessen" auf uns, dessen Sinn sich selbst mir als leidenschaftlichen Esser noch nicht ganz erschlossen hat, war die letzte Mahlzeit doch erst wenige Stunden her. Und unmittelbar im Anschluss daran bestand der Nachmittag der ersten 10 Tage unseres Aufenthaltes dann darin, Drills an den Waffen zu üben. Neben der eher überschaubar Komplexen PFTC Qualifikation ist es nämlich als Teil des Kurses vorgesehen, die ARH (Advanced Rifle Handling) Prüfung abzulegen, welche um Lichtjahre schwieriger ist. Bis Sonnenuntergang wird also das sichere Laden, Entladen, Beheben von Störungen und andere Abläufe geübt, die nach anderthalb Wochen in Form einer mehrstufigen Prüfung demonstriert werden müssen.
Nach einem meist wirklich reichlichen und exzellenten Abendessen bleibt mir dann häufig gegen 21 Uhr nicht mehr viel Energie bevor am nächsten Tag wieder ein volles Programm auf uns wartet.