Samstag, 25. Oktober 2025

Schon wieder Prüfungen - oder - ein unglücklicher Storch und rotierender Hippokot

 Am Ende des Monats in Makuleke soll die  Qualifikation zum "Apprentice Trials Guide" der Field Guide Association South Africa (FGASA) stehen und dafür müssen wir außer ein paar Löcher in Papier zu machen auch noch ein paar Seiten Papier mit halbwegs sinnvollen Inhalten füllen und zwar in Form einer theoretischen Prüfung. War die letzte Prüfung also nicht lange her, galt es sich jetzt schon mal langsam vorzubereiten auf die immerhin dreistündig Abfrage von Wissen rund um das Verhalten gefährlicher Tiere, Planung und Durchführung von Bushwalks, was zu tun ist wenn wir einem gewilderten Tierkadaver begegnen und wie so ein Gewehr überhaupt funktioniert. Zum meiner grenzenlosen Begeisterung durften wir zur Festigung dieser Lerninhalte ein rund 70 Seiten umfassendes Workbook ausfüllen und darin essenzielle Fragen des Lebens erörtern, bspw. ob wir als Menschen im Notfall all das Essen können was ein Pavian in sich hinein stopft. Vor dem Hintergrund, dass die auch gerne mal Elefantendung durchsuchen um sich an den leicht anverdauten Samen gütlich zu tun, was vermutlich ihre Interpretation unseres des Katzenkot-Kaffees ist, überrascht es wenig, dass die Antwort Nein lautet.




Damit wir dann aber beim ganzen Wälzen der Bücher nicht vollkommen die Motivation verlieren wurden wir dankenswerterweise an einen fast magischen Ort des Reservats hier entführt, den großen Fevertree Wald. Zwar haben wir ein kleineres Exemplar fußläufig vor der Haustür, aber der große Bruder wartet mit einer Atmosphäre, die wirklich unschlagbar ist. Nach Betreten des Waldes fühlt man sich fast wie nach Narnia entführt und in ein sattes Grün getaucht blüht um uns herum das Leben. Neben Impalas, Warzenschweinen und Paviane die sich menschentaugliche Nahrung zwischen die Zähne schieben, hat vor allem ein prächtiger Eland Bulle unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Fast wie man sich einen Rothirsch als König des Waldes in deutschen Forsten vorstellt, steht dieses Exemplar stolz in seinen grünen Reich und schaut zu uns herüber.





Direkt an den Wald angrenzend ist ein größeres Wasserloch, das Reedbuck Flay und als wir grade ankommen hängt bei den Hippos der Haussegen schief. Zwei Männchen die sich aufgrund aufkommender Wohnraumknappheit wegen der fortgeschrittenen Trockenzeit ein Wasserloch teilen müssen haben sich in in die spärlichen Haare bekommen. Und zur Konfliktlösung wirft man sich bei den Flusspferden nicht Worte an den Kopf sondern Kacke und zwar indem man sie direkt nach Verlassen des Enddarms mit dem Stummelschwänzchen schwungvoll seinem Gesprächspartner entgegen schleudert. In unserem Fall war das Schauspiel noch begleitet von lautem Geschrei und aufgeregtem geplatsche. Da nicht immer ganz klar ist wohin das aus diesem Konflikt als Verlierer hervorgehende Hippo dann seinen Rückzug antritt nahmen wir vorsichtshalber hinter einem umgefallenen Baumstamm Deckung. Die Sorge mit einem herannahenden Flusspferd konfrontiert zu werden erwies sich aber glücklicherweise als unbegründet und nachdem einer der beiden Streithälse zurück gezogen hatte war dann wieder Ruhe im Teich. 



Ein weiteres Naturschauspiel konnten wir dann im Anschluss beobachten, als einer der Störche am Teich ganz stolz mit einem erfolgreich gefangenem Fisch im Schnabel von einer seiner Raubzüge im Wasser auftauchte. Nur scheinbar hatte der erfolgreiche Jäger zwar das richtige Werkzeug im Gesicht um Fische zu fangen, aber das mit dem Verspeisen im Nachgang wollte nicht so richtig funktionieren. Und so lief der Unglückliche eine ganze Zeit lang mit seiner schuppigen Errungenschaft im Schnabel durchs Wasser und versuchte immer wieder, sie so zu jonglieren, dass sie verschluckt werden kann, bis ein lauernder Fischadler es sich dann nicht nehmen lassen konnte, dem stelzenbeinigen Vogel zu demonstrieren, wie das mit den Fischen richtig funktioniert und er sich aufschwang um die Beute seinem hardernden Besitzer einfach aus dem Schnabel zu stibizen. 



Auch am nächsten Tag hatten unsere Instructor einen landschaftlichen Leckerbissen für uns und wir durften durch einen kleinen Canyon spazieren, der angenehmen Schatten spendete und unter anderem das Zuhause eines Feigenbaumes war, der sich die fast senkrechte Wand empor schlängelte. Wirklich beeindruckend sich bewusst zu machen, dass die Wurzeln fast vollständig in dem Gestein hängen und die Nährstoffe nicht wie bei normalen Bäumen über den Boden aufgenommen werden können - und irgendwie konnten wir uns alle dem Gedanken nicht erwehren, dass der Baum so aussieht als wäre er der Wächter zu einem Tor in eine andere Welt oder zum Eingang eines verlassenen Inka Tempels.




Trotz all der Ablenkung war dann irgendwann der Tag gekommen an dem unsere theoretische Prüfung abgelegt werden muss. Ich hatte mich on Vorfeld darauf vorbeireitet, indem ich es mir mit einer Tasse Kaffee und unserem Lehrbuch in der Hängematte direkt vor unserer Hütte gemütlich gemacht hatte. Wo bei der Schießprüfung ohne größere Probleme noch ein zweiter Anlauf hätte genommen werden können, wäre ein durchfallen bei der Theorie eher ärgerlich, denn das hätte eine Wartefrist von einem Monat und somit das Ende der Hoffnungen auf die Zertifizierung bedeutet.

Das Examen hatte dann leichte Anwandlungen von Klausuren in der Schule und alle mussten sich schön verteilt im den Klassenraum setzen um nicht abschreiben zu können, aber mein größtes Problem lag darin, dass ich handschriftliche Ausführungen wirklich nicht häufig tätigen muss und nach drei Stunden Ausdauersport für mein Handgelenk vermutlich das vorangegangene Training durchs Tragen des Gewehres mindestens so prüfungsentscheidend war wie das Bücherwälzen.

Nach der ganzen Aufregung durften wir am Abend dann einfach Mal nur Gast sein und uns im Auto zur "Crook's Corner" chauffieren lassen. An diesem Punkt treffen sich die Grenzen von Südafrika, Zimbabwe und Mosambik an einem virtuellen Punkt irgendwo mitten im Limpopo Fluss. Der Name kommt wohl aus der Zeit in der (noch Mal als heute) geschmuggelt wurde und die Schmuggler durch die drei zur Auswahl stehenden Ländergrenzen jeweils der Rechtsverfolgung entgehen konnten, wenn der Zoll eines der Länder auf sie aufmerksam geworden war. Für uns stand aber abends nicht schmuggeln auf der Plan sondern das Genießen der Aussicht und die Bekanntgabe der Prüfungsergebnisse. Mit einer Ausnahme, bei der ein Schüler einen Teil der Prüfung noch Mal wiederholen muss hatten alle anderen aber bestanden und wir konnten mit einem Cider in der Hand auf den immer noch Wasser führenden Fluss schauen. Dort war für den Abend ein Familientreffen von Elefantenherden organisiert worden, die sich an den kühlenden Nass gütlich taten und gemütlich und mit vollkommen legal überführtem Elfenbein im Oberkiefer die Staatsgebiete wechselten.





Freitag, 24. Oktober 2025

Unterwegs auf primitiven Pfaden - oder - was Leoparden und Zuckerbohnen gemeinsam haben

Nachdem wir mit Abschluss der Advanced Rifle Handling Prüfung den ersten Abschnitt der Ausbildung hinter uns gelassen hatten stand danach als Belohnung eines der Highlights unserer Zeit in Busch an: Eine "Primitive Trails" Tour über drei Tage, also eine Mehrtageswanderung bei der wir alles lebensnotwendige in unseren Rucksäcken bei uns tragen und die Nächte unter freiem Sternenhimmel draußen schlafen. Da ich nur einen kleinen Rucksack mit 40l dabei hatte, der eigentlich für die Tagestouren gedacht war, war es gar nicht so einfach alles hinein zu quetschen was man für die beiden Übernachtungen so braucht. Von den 40l sind schon mal die ersten 6l für Wasser reserviert und wenn man dann noch den Schlafsack, die Isomatte und den Kocher mit Topf und Gaskartusche dazu rechnet, dann bleibt gar nicht mehr so viel Platz für Komfortgüter des alltäglichen Lebens. Anders ausgedrückt, konnte ich mir noch eine Zahnbürste, eine Kopflampe und einen Satz Ersatzklamotten einpacken und dann war auch schon wegen Überfüllung geschlossen. Mit rund 15kg war das Päckchen dann immer noch deutlich leichter als der Hausstand, den wir in Japan mit uns herum getragen haben, aber dort mussten wir auch nicht bei Temperaturen marschieren, bei denen unsere Verpflegung den Aggregatezustand zu wechseln droht. 



Nach dem Mittagessen machten wir uns dann, Beladen mit dem Notwendigsten auf den Weg, einem unbekanntem Ziel entgegen. Unser Instructor hatte schon angekündigt, dass er sämtliche Fragen danach, wo wir heute schlafen werden mit "Unter den Sternen" beantworten würde und jegliches Erfragen der verbleibenden Zeit mit "Bis wir da sind". Unser Weg führte uns am Anfang durch den bereits lieb gewonnen Wald aus Fever Trees und nachdem wir uns dort Grade durch ein paar Büsche gezwängt hatten hörte ich ein Schnauben weiter vorne. 



Da ich weiter hinten gelaufen bin konnte ich nicht so richtig einordnen, wo es her kam aber einen Wimpernschlag später sauste ein sichtlich aufgebrachter Büffel aus einem Gebüsch zu unserer Linken und kreuzte unseren Weg ca. 15m vor unserer Nase um dann zu unserer Rechten wieder im Unterholz zu verschwinden. Was für mich ein Anstieg der Pulsfrequenz um mindestens 40 Schläge pro Minute bedeutete konnte unserem Guide an der Spitze nicht mal ein Zusammenzucken abringen, aber wieder ein mal war ich erstaunt wie es 800kg Rindvieh so einfach ungesehen hinter einem Busch versteckt sein können und wie schnell vier Hufe die Massenträgheit eines halben Pkw überwinden können.

Wenig später durften wir noch ein paar Elefanten beim Abendbrot beobachten und im Anschluss führte uns der Weg am teils ausgetrockneten Limpopo entlang. 


Nach so drei Stunden Wanderung hatten wir unser Lager für die Nacht dann erreicht und wir machten Camp an einem steil abfallenden Ufer des Flusses, das dank des Sandes am Boden eine fast karibische Stimmung ausstrahlte. Nachdem die grundlegenden Dinge geklärt waren, wie die Position des Feuers, welche Büsche in der Umgebung zur Toilettentür befördert wurden und wo die Schlafplätze vergeben werden, wurden die anstehenden Aufgaben besprochen. 



Einerseits brauchten wir Feuerholz fürs Lagerfeuer, andererseits mussten die Wasservorräte ausgefüllt werden - und zwar diesmal nicht aus einem Wasserhahn sondern aus der Hohlvene von Mutter Natur, dem Flussbett des Limpopo. Und um die Anzahl der Mikroorganismen zu reduzieren, die wir dann als stark verdünnte Meeresfrüchtesuppe zu uns nehmen würden haben wir das Wasser nicht direkt aus dem Fluss entnommen sondern in der Nähe ein Loch gebuddelt um von dort das einlaufende Wasser abzuschöpfen. Feuerholz war aufgrund des angespülten Treibholzes kein Problem und bald war waren die Schlafplätze vorbeireitet, das Feuer prasselte und unsere Wasservorräte waren aufgefüllt. Schlafsäcke sollten allerdings zunächst zusammengerollt verbleiben - nachdem ich es durch Japan geschafft hatten ohne das Bett mit einer Danger Noodle teilen zu müssen, wollte ich nicht jetzt auf den letzten Drücker noch schlängelnden Besuch bekommen. Neben unseren fußlosen Freunden gab es eine weitere Gemeinsamkeit mit dem Ostasien-Trip: der Ernährungsstil. Um das Gewicht nicht allzusehr in Richtung Karawane entgleiten zu lassen hatten wir Instant Nudeln und Erdnüsse als Verpflegung mitbekommen und ich konnte konnte nicht umhin mich an die Tage mit Francis zurück zu erinnern. 



Als wir gerade mit dem Kochen fertig waren, kam uns pünktlich zum Sonnenuntergang eine Elefantenfamilie besuchen, die am Fluss zum Trinken kommen wollte.




 Ganz offensichtlich waren sie erst Mal erstaunt über die Wegelagerer an Ihrer Hausbar und standen erst Mal unschlüssig vor unserem Toilettenbusch. Nach einer halben Stunde intensiven beäugens und beschnüffelns aus ungefähr 20m Entfernung zogen sie dann aber ein Stück weiter den Fluss hinab um sich dort ins erfrischende Nass zu stürzen.

Damit wir nicht des Nachts als Fußabtreter eines Elefanten oder Schlafsack-Wrap für einen Löwen enden wurden für die Nächte jeweils Wachen eingeteilt, sodass jeder von uns für ungefähr eine Stunde die Umgebung beobachten und unliebsame Annäherungsversuche kundtun sollte. Zwar war der Gedanke, den kostbaren Schlaf mitten in der Nacht für eine Stunde zu unterbrechen zu müssen zunächst wenig erstrebenswert, aber im Endeffekt stellte es sich als wunderbares Erlebnis heraus, nachts ganz alleine unter dem Sternenhimmel wache zu halten. In sicherer Entfernung konnte ich eine Hyäne heulen hören, eine junge Eule übte in der Nähe das Schuhuhen und mehrfach konnte ich das namensstiftende, nach Säugling klingende Geschrei eines Bushbabies in den Wipfeln der Bäume hören. Dank des Neumonds war der Sternenhimmel so deutlich zu sehen, dass man sogar die Milchstraße mit bloßem Auge erkennen konnte. 


Aber bei den Kontrollgängen rund ums Lager konnte ich keinen abendlichen Besuch feststellen, der unserem Lager beiwohnen wollte und auch die Hyäne hatte wohl andere Pläne für den Abend. Trotz fehlender Schutzbarriere zwischen Wildnis und mir konnte ich schlafen wie ein Stein und zu unserer Freude klingelte am nächsten Tag nicht wieder um 04:30 Uhr der Wecker sondern wir durften ausschlafen bis uns die Sonnenstrahlen gegen sechs Uhr wach kitzelten.

Der zweite Tag bestand dann aus abwechselnd Episoden von Laufen und Pausen, wobei wir einen wirklich heißen Tag erwischt hatten der an der Energie zehrte. Insbesondere während der Mittagshitze konnten wir uns unter einem riesigen Affenbrotbaum für eine längere Pause einrichten und ich habe die europäische Tradition der Siesta aufrechterhalten. 

Gegen Nachmittag dann erreichten wir unser nächstes Lager für die Nacht, diesmal uf einer Lichtung in der Nähe einer Quelle, aus der trotz der fortgeschrittenen Trockenzeit noch Wasser kam. 


Und genau wie am Tag zuvor wurde nicht nur Brennholz gesammelt und möglichst Protein-armes Wasser geschöpft sondern pünktlich zum Sonnenuntergang kam uns wieder eine Herde Elefanten besuchen. Diesmal waren sie etwas durch die Büsche verdeckt und auch die Sonne stand schon tiefer, aber wir konnten wunderbar hören, wie sie vermutlich eine Wasserschlacht veranstalteten und durch den matschigen Boden patschten. Nach einer weiteren Nacht unter sternenklarem Himmel aber ohne Vierbeinige Besucher machten wir uns dann am nächsten Tag mit mittlerweile etwas leichtem Gepäck wieder auf Richtung Camp. Zwar hatte unsere Tour von vornherein den Anspruch gehabt, sich weniger durch kulinarische und mehr durch erlebnisreiche Highlights hervor zu tun, aber wir alle wurden davon ins Lager getrieben unsere Instant-Nudel-Erdnuss-Diät zugunsten eines herzhaften Frühstücks aufzugeben.

Wieder in Lager angekommen konnten wir erst Mal verschnaufen und wurden von der in Lager verbliebenen anderen Hälfte der Schülerschaft begrüßt. Nachdem wir uns gemeinsam an einem zwar nicht besonders gewichtsoptimierten aber dafür umso schmackhafteren Frühstück gütlich getan hatten, wurde der sinnbildlich Staffel-Campingkocher an die zweite Gruppe übergeben, sich dann zu ihrem Abenteuer aufmachen sollte. 

Damit unsere Hälfte nicht vollkommen gelangweilt im Camp versauern muss wurden wir von einem zweiten Instructor auf einen abendlichen Game Drive mit Sonnenuntergangs-Drink ausgeführt. Die Entwöhnung von unserer Zeit als Vollzeit-Buschmensch hätte nicht sanfter ausfallen können, denn der Ort an dem wir unseren Sundowner schlürfen durften war absolut spektakulär - eine Brücke mit Blick über den Levuvhu Fluss, wobei sich schon die Fahrt dahin anfühlte wie der Besuch in einem Zoo mit viel zu vielen Tieren für viel zu wenige Gehege. 



Neben Impalas, Büffeln, Nyala, Elands und Warzenschweinen drängten sich dort noch Giraffen, Elefanten, Vervet-Äffchen und verschiedenstes Federvieh, sodass man gar nicht so richtig wusste wo man zuerst hin schauen sollte. Um die Brücke herum war permanent ein Schwarm Schwalben am herumwuseln und als einer der Vögel scheinbar zu nahe am Wasser nach Insekten fischen wollte und ein unfreiwilliges Bad im Fluss genommen hat konnten wir noch einen Fischadler beobachten, der seine Chance witterte und den Unglücksseeligen aus dem Wasser fischte und verspeiste. 




Ein Impala, dass scheinbar vollkommen unbeeindruckt einen Spaziergang zwischen zwei Krokodilen unternahm hatte jedoch erstaunlicherweise mehr Glück - entweder waren die Echsen wohl schon satt oder sie haben im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung darauf verzichtet immer wieder das selbe zu essen. 



Ein wenig Vorsicht ist an der Brücke auch für menschliche Besucher geboten - das Gebiet ist für die Leoparden bekannt die sich in der Umgebung gerne aufhalten und vor einiger Zeit ist ein Tourist selbst zum Opfer einer Raubkatze geworden, als er oder sie an einem der umstehenden Bäume das Sundowner-Getränk wieder dem Kreislauf des Lebens zuführen wollte.

Auf dem Rückweg, wieder im sicheren Auto konnten wir dann auch tatsächlich ein Lebenszeichen eines Leoparden wahrnehmen, wenn auch leider nur mit unseren Nasen. Ein ganz charakteristischer Geruch nach Popcorn, der allerdings eher dem "Popcorn-Geschmack" von Jelly Belly Beanie Bohnen gleicht stieg uns in die Nase und dieser entsteht wohl wenn Leoparden ihr Revier markieren. Für mich war es das erste Mal, dass ich den Geruch so bewusst wahrgenommen habe und auch wenn die Katze selbst im Verborgenen blieb wissen wir zumindest, dass etwas dran ist an der Leoparden Population in der Nähe.  

Mittwoch, 15. Oktober 2025

Hüpfende Hippos und eine Schießprüfung

Schon etwas mehr als eine Woche ist vergangen und obwohl wir jeden Tag unterwegs sind sehen wir doch immer wieder etwas Neues. So sind es nicht immer nur die Begegnungen mit dem Großwild, die uns Lehrstunden bescheren. Es sind auch kleine Löcher in Sand, die zunächst aussehen als sei im Boden ein äußerst schwerer Golfball mit Schwung eingeschlagen und die sich als das Zuhause eines Skorpions entpuppt.




 Es sind seltsame Schleifspuren, die aussehen als hätte ein Scharkal sein Abendessen durch den Sand geschleift aber in Wirklichkeit ist es nur ein Elefant, dem sein Rüssel zu schwer geworden ist und der ihn über den Boden schleifen lässt. Es sind die Spuren einer vermeintlichen Echse in Sand, deren Schwanz Schleifspuren hinterlassen hat und die das Leviteren gelernt hat bis eine genauere Inspektion ans Licht bringt, dass ein Pavian nur einen Stock hinter sich her gezogen hat. 
Auch unsere Erinnerungen an die Vogelstimmen erwachen langsam und immer mehr des Anfangs Kauderwelschen gepiepe lässt sich jetzt einer Art zuordnen. Das ist auch deswegen besonders wichtig, weil manche Vogelarten die Anwesenheit potenziell gefährlicher Tiere ankündigen. Allen voran ist der Oxpecker dafür bekannt, dass er sich gerne auf Büffeln niederlässt um sich dort aus den reichlich vorhandenen Zecken einen saftigen Snack zu pflücken. 
Statt Büffel darf es hin und wieder auch mal ein Nilpferd sein, und hier konnte ich mal ein Exemplar einfangen, dass grade zwischen den Ohren hitchhiket während seine Kameraden sich davon machen:


Das trillernde Gezwitscher, dass diese Vögel veranstalten wenn sie aufgeschreckt werden kann dann ein Hinweis sein, dass sie gerade ihre Mahlzeit auf einem unmittelbar in der Nähe befindlichen Wiederkäuer beenden mussten, sodass mit besonderer Vorsicht vorzugehen ist. Auch der Ruf des "Goaway Bird" wird als Indikator herangezogen, jedoch meist für nahende Raubtiere. Beobachtet dieser papageienartige graue Vogel irgendwelches Getier, deren Nachbarschaft ihm nicht zusagt stößt er einen quäkenden Ruf, der mit etwas Phantasie klingt wie "Go Away!" und der ihm seinen dankbar einfach zu merkenden Namen eingebracht hat. 
Neben den Alarmrufen von Eichhörnchen, Vervet Monkey, oder den Antilopen gibt es hin und wieder auch ein Warnsignal, dass deutlich subtiler ist - nämlich absolute Stille. Ist ein Raubtier in der Nähe kann man das teilweise daran erkennen, das das sonst so muntere Gezwitscher und Gebrabbel der Tiere verstummt und nichts zurück bleibt als das Rascheln der Blätter und das leise Knarzen des Sandes über den man läuft. Einziger Nachteil an dieser Form des Alarmsignals ist, dass man nicht schauen kann, wo das laut keckernde Eichhörnchen grade hin schaut während es seine Artgenossen auf Fressfeinde aufmerksam machen will.
Neben dem Spurenlesen und dem bewussten wahrnehmen seiner Umgebung gibt es immer noch eine Schießprüfung, das ARH auf das wir uns vorbeireiten müssen und nach einer Woche der Trockenübungen war es nun endlich Zeit mal zu überprüfen ob das hohle Ende des Metallrohres in meiner Schulter auch tatsächlich in Richtung des schwarzen Punktes in der Mitte der Zielscheibe zeigt.
Die "Schießbahn" auf der wir dann das erste Mal mit scharfer Munition üben konnten entpuppte sich letztendlich als Sandhügel, der als Kugelfang diente. Die Zielscheiben wurden auf Konstruktionen geklebt, die aus (hoffentlich unbenutzten) Kunststoff Abwasserrohren gebaut sind. Also typisch afrikanischer Pragmatismus.




Trotz der hemdsärmeligen Infrastruktur herrscht im Schießbetrieb absolute Disziplin und die Ausbilder bestehen darauf, dass sämtliche Sicherheitsüberprüfungen von jedem Schützen aufs genaueste ausgeführt werden.
Insgesamt sind für die Prüfung sechs Übungen gefordert: 
- Es muss die Waffe mit verbundenen Augen innerhalb von 10s mit 5 Patronen ge- und entladen werden
- Es müssen 5 Schüsse frei stehend aus 12m auf eine Zielscheibe mit ca. 15cm Durchmesser abgegeben werden, ohne dass ein einziger Schuss außerhalb liegt
- Es müssen innerhalb von 12s Zielscheiben in je 12m, 8m und 4m getroffen werden
- Es müssen innerhalb von 14s drei Schüsse auf eine 8m entfernte Zielscheibe abgegeben werden, jedoch ist in der Waffe an einer zufälligen Stelle eine Pufferpatrone geladen, die eine Fehlzündung simuliert. Diese Patrone muss mit zur Seite gekippter Waffe ausgeworfen werden und es muss anschließend aus dem Patronengurt am Gürtel nachgeladen werden 
- Es müssen zwei Büffel Zielscheiben in 8m innerhalb von 6s getroffen werden, sodass bei einem echten Büffel das Gehirn perforiert worden wäre 
- Zuletzt die Königsdisziplin: der sinulierte Angriff eines Raubtiers. Hier muss der Proband mit dem Gewehr am langen Arm los marschieren und nach einigen Sekunden kommt mit ca. 10 m/s ein Schlitten mit dem Plakat eines angreifenden Löwens auf ihn zu geschossen. Es wird dann erwartet, dass bevor der Löwe beim Schützen angekommen ist dieser sein Gewehr in einen schussbereiten Zustand gebracht hat und das "Gehirn" von der Größe ca. einer CD mit einem gezielten Schuss trifft 

Zu Beginn des Übungsschießen haben sich alle etwas schwer getan, weil es widererwartend doch etwas anderes ist als mit einem großkalibrigen .375 Win Mag Gewehr auf eine Zielscheibe zu schießen als einfach nur mit einem leeren Lauf darauf zu zielen und "pew, pew" zu rufen... oder zu denken. Aber nachdem jeder so um die 50 Schuss verüben durfte waren die meisten Löcher am Ende der beiden angesetzten Übungstage doch in Schwarzen und wir wurden als bereit für die Prüfung erklärt.
Neun Prüflinge sind angetreten um sich das Recht zu erwerben, mit scharfer Munition durchs Gebüsch zu schleichen und erstaunlicherweise scheiterten die ersten drei direkt an der ersten Präzisionsübung mit 5 Schüssen auf 12m Entfernung. 
Obwohl jeder Schütze pro Übung 2 Versuche hat und in der Probedurchläufen an Ende eigentlich keine verirrten Kugeln mehr außerhalb der Trefferfläche zu finden gewesen waren schien die Nervosität in der Prüfungssituation dafür zu sorgen, dass ein Drittel der Prüflinge bereits in der zweiten der sechs nacheinander zu absolvierenden Übungen ausschied. Auch ich war auf meinen zweiten Versuch angewiesen, da die allererste Kugel wohl durch etwas zu beherztes Ziehen am Abzug ein Stück unter der Zielscheibe landete. Im zweiten Anlauf konnte ich diese Hürde dann aber nehmen und auch die Schüsse auf 12m, 8m und 4m gingen zum Glück reibungslos.  Ein weiterer Prüfling musste sich bei der 3. Runde allerdings auch schon verabschieden. Die Übung mit der simulierten Fehlzündung galt als eine der herausforderndsten, weil das Zeitfenster ziemlich eng gesteckt ist und man insbesondere beim  Nachladen aus dem Patronenvorrat am Gürtel sehr viel Zeit verlieren kann wenn man sich verhaspelt. Bei mir kam dann noch dazu, dass eine der Patronen beim Repetieren nicht ausgeworfen wurde ich noch mit dem Daumen nachhelfen musste, sodass ich am Ende haarscharf unter der geforderten Zeit geblieben bin. Zwei weitere Kandidaten sind an den Zeitvorgaben jedoch gescheitert, sodass von den ursprünglich 9 Aspiranten nur noch 3 übrig waren. Den Büffel zu treffen war für alle nur noch Formsache, aber die heranpreschende Katze hatte mir bei den Übungen schon immer Probleme bereitet, was sogar soweit ging dass ich das auf der Scheibe eingezeichnete Hirn in keinem der 2 vorherigen Übungsdurchgänge getroffen hatte. 
Entsprechend angespannt war ich dann als ich an der Startlinie stand und mit meinem Gewehr unterm Arm los marschieren sollte, wohl wissend dass ich in den nächsten Sekunden die Bekanntschaft mit einer sehr schlecht gelaunten Katze machen würde. Als ich sie auf mich zuschießen sah lief das Durchladen der Waffe jedoch reibungslos, ich konnte entsprechend der Prüfungsanforderungen meine "intimidierenden Schreie um den Löwen vom Angriff abzuhalten" los werden ( es hat sich während sämtlicher Löwenangriffe nicht ein einziger dadurch zum Umkehren bewegen lassen) und hatte dann noch genug Zeit zum zielen. Ca 6m bevor mir der Papierlöwe an die Gurgel gehen konnte habe ich dann angedrückt und als der Schlitten dann die restlichen Meter in meine Richtung zurück gelegt hatte konnte ich schon erahnen, dass es gereicht haben könnte.




 Zum ganzen Drill gehört es dann noch, sicher zu stellen dass der simulierte Löwe auch tatsächlich tot ist ( auch da gab es während sämtlicher Übungen wenige Überraschungen), das Gewehr nachzuladen und zu sichern und die Konzentration muss aufrecht erhalten werden bis das alles abgeschlossen ist, denn auch trotz erfolgreichem Treffer kann man aufgrund von Fehlern im Anschluss noch durchfallen. Und am Ende war dann alles geschafft und mir fiel ein Stein vom Herzen als der Prüfer mir zum erfolgreichen Abschluss gratulierte. 



Die beiden verbliebenen Prüflinge ließen sich von der  mechanischen auch nicht aus der Ruhe bringen und so konnten wir Drei uns glücklich schätzen, dieses Kapitel der Ausbildung abgeschlossen zu haben.
Am Abend wurde dann zwar ein gemütliches Bier zusammen getrunken, aber diejenigen die es heute nicht geschafft hatten sollten am nächsten Tag noch eine zweite Chance bekommen, sodass das Feiern verschoben wurde. 
Am nächsten Tag dann gingen die 6 Wiederholer auf den Schießstand zum nächsten Versuch auf die Schießbahn während wir einen Ausflug mit Wanderung und Kaffeepause an einem Fluss machen durften. Während wir beim Kaffee am Gewässer saßen konnten wir eine Herde Hippos darin herum dümpeln sehen ( fun fact: Hippos schwimmen ja nicht an der Oberfläche sondern hüpfen wie etwas aufgedunsene Ballerinas durchs Wasser, was die Frage aufwirft ob sie nicht in tieferen Gewässern im Schlaf ertrinken können. Es scheint aber so zu sein, dass sie einen Reflex entwickelt haben, durch den sich bei einem zu hohen CO2 Pegel im Blut automatisch die Beine durchstrecken und das Flusspferd wieder an die Oberfläche katapultiert). 




Außerdem hatten es sich ein paar Krokodile an Land gemütlich gemacht und mit bemerkenswerter Ignoranz staksten zwischen den geöffneten Mündern der Echsen ein paar langbeinige Wasservögel umher.
Nachdem ich mich für die Kaffeepause am Ufer gemütlich eingerichtet hatte hörte ich dann ein Rascheln wie von fallenden Blättern, das aus den Ästen des Baumes über mir drang. Wenige Sekunden rauschte ein grauer, fingerdicker Ast direkt vor meine Füße. Nach einem Moment der Überlegung wollte sich mir nicht ganz erschließen, warum der Ast einerseits grau ist und andererseits erstaunlich wenige abzweigende Äste aufweist. Mein Denksport am morgen wurde dann relativ zeitnah dadurch beendet, dass der "Ast" begann sich von mir fort schlängeln und das Weite zu suchen. Auch wenn ich nicht herausfinden konnte um welche Sorte Schlange es sich wohl gehandelt haben musst war ich doch ganz dankbar, dass sie nicht 30cm weiter rechts herunter geplumst ist und sich vielleicht berufen gefühlt hätte, sich als Turban oder Rückenkratzer zu verdingen.
Als wir dann von unserem Ausflug zurück kamen konnten dann drei weitere Schützen vermelden, dass sie die Papierkatze erfolgreich neutralisiert hatten. Am Abend ging es dann zur Abwechslung mal nicht für Trockenübungen mit den Gewehren ins Gelände sondern in einen teils versandeten Teil des Limpopo, der ein einem Strand wohl so nahe kommt wie es in der Mitte zwischen Atlantik und Indischem Ozean wohl erwartet werden kann und mit einem Fußball in der einen und einem Savannah Cider in der anderen Hand konnte wir mal auf ausgezogene Schuhe anstatt auf Pappescheiben schießen.





Mittwoch, 8. Oktober 2025

Verjüngt von Quellwasser - oder - der Langzahn in meinem Koffer

Auch wenn die im Folgenden erzählten Erlebnisse schon eine Weile her sind, wollte ich sie doch nicht umsonst vorgeschrieben haben - es blieb in den letzten Wochen nur keine rechte Zeit, sie mit Bildern versehen und hoch zu laden, doch heute ist der Tag der Tage:


Nach mittlerweile zwei Tagen hat sich der Tag-Nacht-Rhytmus soweit eingependelt, dass ich morgens um 5 Uhr beim Aufstehen nicht mehr das Gefühl habe, mich schlafwandelnd in Richtung der Kaffeeecke zu begeben. Geweckt werden wir von einer einer alten Trommel und jeden Tag trifft es die Bewohner einer anderen Hütte, etwas früher aufzustehen, Wasser zu kochen, ein erquickendes Trommel-Solo nach Wahl zu spielen und dann für alle Kaffee und Kekse anzurichten. 
Unsere Buschwanderung führt uns heute zunächst wieder durch eine Szenerie wie aus einem Western, doch statt schiesswütigen Cowboys begegnen wir in der offenen Ebene einer Herde Büffel. 



Dieses Mal sind sie allerdings zahlenmäßig deutlich in der Überzahl und als wir uns langsame nähern werden wir zwar genauestens beobachtet, aber die Herde lässt sich diesmal zunächst nicht schnell verscheuchen - erst als in der Ferne ein Kudu die Nerven verliert und unsere Annäherung mit einem lauten Bellen quittiert, verfallen die Kuh-ähnlichen Tiere in einem kurzen Dauerlauf von uns weg um dann aber wieder stehen zu bleiben und sich umzudrehen.



 Dieses typische Verhalten sollen wir noch viele weitere Male bei Büffeln erleben, dass sie bei Annäherung unsererseits zunächst in einen kurzen Jogg verfallen, um sich dann aber direkt wieder umzudrehen und die Situation zu reevaluieren. Läuft man dann als Gruppe ein wenig weiter, so siegt am Ende bei den Rindviechern die Neugier und sie joggen einem wieder ein paar Meter hinterher um dann mit gehobenem Kopf und aufgestellten Ohren genauestens zu beobachten, wer ihnen da möglicherweise ihr Stoppelgras streitig machen will. Dieses Intervall-Training verfolgen sie teils mit fast sportlichem Ehrgeiz, so auch an diesem Tag. Wir setzten unseren Marsch in Richtung eines Wasserloches fort und fast wie eine streunende Katze oder das Gespenst bei Super Mario verfolgen uns mehrere Dutzend Paarhufer, immer stets mit einem gewissen Sicherheitsabstand und bleiben stehen wenn sie sich selbst beobachtet wähnen.
Nach einer Pause am Wasserloch musste ich bei unserer Rückkehr dann feststellen, dass wir neben den üblichen Spinnen, Motten, Käfern und anderem Flattervieh während unserer Abwesenheit noch einen weiteren Besucher in unserer Hütte hatten. Auch wenn sie ungeöffnet und eingeschweißt waren, eines der Eichhörnchen muß ein paar Mandeln in Honig-Salz-Kruste gerochen haben, die ich als Proviant in meinem Koffer hatte. Mit beeindruckender Zielstrebigkeit hat es daraufhin wohl beschlossen, dass es einen mindestens genauso großen Bedarf wie ich hat, seinen Salz- und Zuckerhaushalt auszugleichen und hat sich durch Koffer und Plastikverpackung geknabbert um an die Nüsse zu kommen. 



Wir haben in den Zelten zwar extra Metallboxen um dort angebrochene Nahrungsmittel affen- und eichhörnchensicher zu verwahren, aber ich hätte nicht erwartet, dass meine Snacks auch eingeschweißt noch so eine Anziehungskraft auf die Langzähne ausüben.
Nach einer halben Woche im Camp sollten wir eine weitere Stufe der Ausbildung erfahren und während unserer Trips dann selbst eines der Gewehre mitführen, wenn auch mit Übungspatronen ohne Schießpulver. Aber auch wenn keine echten Patronen geladen sind konnte man schon mal ein Gefühl dafür bekommen, wie viel Konzentration es erfordert auch beim Krabbeln durchs Gebüsch, beim Auf- und Ablaufen über die Hügel oder beim wechseln der Waffe von einer Hand in die Andere niemals die Mündung auf jemanden oder Etwas zu richten, von dem man denkt, dass man es in Zukunft noch brauchen könnte, was insbesondere den vor einem laufenden Instructor einschließt. Was es auch nicht einfacher macht, ist dass die Waffe in der linken Hand getragen werden soll, damit man im Zweifelsfall dann schnell mit der rechten Hand die Patrone einrepetieren kann. Ich musste feststellen, dass es sich nach 4 Stunden anfühlt, als würde ich eine 155mm Artilleriekanone tragen statt eines Holzgewehers und bin sehr gespannt, inwieweit mir das Training hier dabei hilft einarmig Getränkekisten durch die Landschaft zu tragen.
Ziel meiner ersten Tour als simuliertes "2nd Rifle" war die Mashushiti Quelle auf dem Gipfel eines kleinen Hügels. 



Angeblich hat die Quelle einer verjüngende Wirkung und unser Instructor wollte uns nicht gehen lassen bevor jeder mal einen Schluck probiert hat. Ohne jetzt die Weisheit der Eingeborenen hier allzu sehr anzweifeln zu wollen, aber nach 4h marschieren bei annähernd 40° in der prallen Sonne sah keiner von uns am Ende bei Ankunft zurück im Camp wirklich deutlich jünger aus als vorher. Wenn es danach ginge würde ich den frittierten Teigbällchen und dem Frühstücksbacon deutlich eher magische Kräfte zusprechen.
Tags drauf hatten wir Tour zum Levuvhu Fluss geplant - unsere Wanderung führte uns durch Affenbrotbäume und Sträucher und in der Ferne hörten wir einige Büffel schnaufen. Auf unserem Weg zum Flussufer mussten wir einen kleinen Streifen Wald durchqueren und genau da hatten es sich auch ein paar Büffel gemütlich gemacht und zogen mampfend durchs Gestrüpp. Nachdem wir abgewartet hatten, dass die erste Horde durchgezogen war machten wir uns dann selbst in Richtung des Waldes auf und kaum dass wir unter dem Blätterdach angekommen waren, konnten wir hören, dass ein paar Nachzügler sich den Weg durch den Schatten des Waldes bahnten. Da saßen wir dann, inmitten der Bäume um uns herum und hatten zu beiden Seiten Büffel, die sich an uns aber nicht wirklich zu stören schienen. Insbesondere die Tatsache, dass wir uns auf den Boden gesetzt hatten trug wohl dazu bei, dass wir nicht mehr die klassisch menschliche aufrechte Silhouette hatten und gleichzeitig kam der Wind aus Richtung der Tiere, sodass unser Menschen-Mief von ihren großen feuchten Nasen hinweg geweht wurde.




 Und so konnten wir dann in aller Ruhe dort sitzen bleiben und warten bis auch die Nachhut der Herde schnaufend an uns vorbei gezogen ist, während immer wieder einer der gehörnten Wachposten ein Blick in unsere Richtung warf um zu prüfen, dass wir uns nicht schlagartig in hungrige Raubtiere verwandeln.
Nach dieser sehr friedfertigen Begegnung mit Büffeln erreichte uns am Abend die Nachricht, dass es trotz aller Vorsicht auch unangenehme Situationen mit dem "Dangerous Game" geben kann. 
Während wir zu unserem Aussichtspunkt am Fluss marschiert waren hatte eine andere Gruppe einen Weg durch eine Ebene genommen, in der Teils hohes Gras wächst. In dem Gras hatte sich ein verwundeter Büffel versteckt, dessen Hinterhuf in eine Schlinge geraten war und den sich das Tier wohl vollkommen abgerissen hatte. Das lädierte Tier hatte bei der Annäherung der Fußgänger dann untypisch aggressiv reagiert und es kam zu genau der Situation für die man stets zwei Schusswaffen mitführt - vermutlich durch Schmerz und Erschöpfung von Sinnen rannte es mit den Hörnern voraus auf die Gruppe zu uns es blieb dem Guide nichts anderes übrig, als innerhalb weniger Sekunden die Waffe in einen schussbereiten Zustand zu versetzen und das Tier zu erschießen. Das "2nd Rifle" war in dieser Gruppe durch einen Schüler besetzt gewesen, der seine Ausbildung an der Waffe schon zu Beginn des Jahres absolviert hatte und der geistesgegenwärtig innerhalb kürzester Zeit die Situation erfasst und auf das Hirn des Büffels gefeuert hatte. Wie knapp das ganze gewesen sein muss kann man daran erkennen, dass das erlegte Tier unmittelbar vor den Füßen der Teilnehmer zusammen gebrochen ist. 
Beim Abendessen hat unser Lead Guide von den Vorfall berichtet und bemerkenswerterweise war es das erste Mal in seiner 20 jährigen Karriere, dass er auf ein Tier schießen musste. Aber keiner wollte sich ausmalen was passiert wäre wenn die Kugeln ihr Ziel verfehlt hätten oder die Schützen weniger schnell gehandelt hätten. 
Auch wenn solche Zwischenfälle extrem selten sind haben sie uns doch vor Augen geführt, worum es so wichtig ist, so ein Gewehr nicht nur bei sich zu haben sondern im Zweifelsfall auch innerhalb kürzester Zeit davon gebrauch machen zu können.