Auch wenn die im Folgenden erzählten Erlebnisse schon eine Weile her sind, wollte ich sie doch nicht umsonst vorgeschrieben haben - es blieb in den letzten Wochen nur keine rechte Zeit, sie mit Bildern versehen und hoch zu laden, doch heute ist der Tag der Tage:
Unsere Buschwanderung führt uns heute zunächst wieder durch eine Szenerie wie aus einem Western, doch statt schiesswütigen Cowboys begegnen wir in der offenen Ebene einer Herde Büffel.
Dieses Mal sind sie allerdings zahlenmäßig deutlich in der Überzahl und als wir uns langsame nähern werden wir zwar genauestens beobachtet, aber die Herde lässt sich diesmal zunächst nicht schnell verscheuchen - erst als in der Ferne ein Kudu die Nerven verliert und unsere Annäherung mit einem lauten Bellen quittiert, verfallen die Kuh-ähnlichen Tiere in einem kurzen Dauerlauf von uns weg um dann aber wieder stehen zu bleiben und sich umzudrehen.
Dieses typische Verhalten sollen wir noch viele weitere Male bei Büffeln erleben, dass sie bei Annäherung unsererseits zunächst in einen kurzen Jogg verfallen, um sich dann aber direkt wieder umzudrehen und die Situation zu reevaluieren. Läuft man dann als Gruppe ein wenig weiter, so siegt am Ende bei den Rindviechern die Neugier und sie joggen einem wieder ein paar Meter hinterher um dann mit gehobenem Kopf und aufgestellten Ohren genauestens zu beobachten, wer ihnen da möglicherweise ihr Stoppelgras streitig machen will. Dieses Intervall-Training verfolgen sie teils mit fast sportlichem Ehrgeiz, so auch an diesem Tag. Wir setzten unseren Marsch in Richtung eines Wasserloches fort und fast wie eine streunende Katze oder das Gespenst bei Super Mario verfolgen uns mehrere Dutzend Paarhufer, immer stets mit einem gewissen Sicherheitsabstand und bleiben stehen wenn sie sich selbst beobachtet wähnen.
Nach einer Pause am Wasserloch musste ich bei unserer Rückkehr dann feststellen, dass wir neben den üblichen Spinnen, Motten, Käfern und anderem Flattervieh während unserer Abwesenheit noch einen weiteren Besucher in unserer Hütte hatten. Auch wenn sie ungeöffnet und eingeschweißt waren, eines der Eichhörnchen muß ein paar Mandeln in Honig-Salz-Kruste gerochen haben, die ich als Proviant in meinem Koffer hatte. Mit beeindruckender Zielstrebigkeit hat es daraufhin wohl beschlossen, dass es einen mindestens genauso großen Bedarf wie ich hat, seinen Salz- und Zuckerhaushalt auszugleichen und hat sich durch Koffer und Plastikverpackung geknabbert um an die Nüsse zu kommen.
Wir haben in den Zelten zwar extra Metallboxen um dort angebrochene Nahrungsmittel affen- und eichhörnchensicher zu verwahren, aber ich hätte nicht erwartet, dass meine Snacks auch eingeschweißt noch so eine Anziehungskraft auf die Langzähne ausüben.
Nach einer halben Woche im Camp sollten wir eine weitere Stufe der Ausbildung erfahren und während unserer Trips dann selbst eines der Gewehre mitführen, wenn auch mit Übungspatronen ohne Schießpulver. Aber auch wenn keine echten Patronen geladen sind konnte man schon mal ein Gefühl dafür bekommen, wie viel Konzentration es erfordert auch beim Krabbeln durchs Gebüsch, beim Auf- und Ablaufen über die Hügel oder beim wechseln der Waffe von einer Hand in die Andere niemals die Mündung auf jemanden oder Etwas zu richten, von dem man denkt, dass man es in Zukunft noch brauchen könnte, was insbesondere den vor einem laufenden Instructor einschließt. Was es auch nicht einfacher macht, ist dass die Waffe in der linken Hand getragen werden soll, damit man im Zweifelsfall dann schnell mit der rechten Hand die Patrone einrepetieren kann. Ich musste feststellen, dass es sich nach 4 Stunden anfühlt, als würde ich eine 155mm Artilleriekanone tragen statt eines Holzgewehers und bin sehr gespannt, inwieweit mir das Training hier dabei hilft einarmig Getränkekisten durch die Landschaft zu tragen.
Ziel meiner ersten Tour als simuliertes "2nd Rifle" war die Mashushiti Quelle auf dem Gipfel eines kleinen Hügels.
Angeblich hat die Quelle einer verjüngende Wirkung und unser Instructor wollte uns nicht gehen lassen bevor jeder mal einen Schluck probiert hat. Ohne jetzt die Weisheit der Eingeborenen hier allzu sehr anzweifeln zu wollen, aber nach 4h marschieren bei annähernd 40° in der prallen Sonne sah keiner von uns am Ende bei Ankunft zurück im Camp wirklich deutlich jünger aus als vorher. Wenn es danach ginge würde ich den frittierten Teigbällchen und dem Frühstücksbacon deutlich eher magische Kräfte zusprechen.
Tags drauf hatten wir Tour zum Levuvhu Fluss geplant - unsere Wanderung führte uns durch Affenbrotbäume und Sträucher und in der Ferne hörten wir einige Büffel schnaufen. Auf unserem Weg zum Flussufer mussten wir einen kleinen Streifen Wald durchqueren und genau da hatten es sich auch ein paar Büffel gemütlich gemacht und zogen mampfend durchs Gestrüpp. Nachdem wir abgewartet hatten, dass die erste Horde durchgezogen war machten wir uns dann selbst in Richtung des Waldes auf und kaum dass wir unter dem Blätterdach angekommen waren, konnten wir hören, dass ein paar Nachzügler sich den Weg durch den Schatten des Waldes bahnten. Da saßen wir dann, inmitten der Bäume um uns herum und hatten zu beiden Seiten Büffel, die sich an uns aber nicht wirklich zu stören schienen. Insbesondere die Tatsache, dass wir uns auf den Boden gesetzt hatten trug wohl dazu bei, dass wir nicht mehr die klassisch menschliche aufrechte Silhouette hatten und gleichzeitig kam der Wind aus Richtung der Tiere, sodass unser Menschen-Mief von ihren großen feuchten Nasen hinweg geweht wurde.
Und so konnten wir dann in aller Ruhe dort sitzen bleiben und warten bis auch die Nachhut der Herde schnaufend an uns vorbei gezogen ist, während immer wieder einer der gehörnten Wachposten ein Blick in unsere Richtung warf um zu prüfen, dass wir uns nicht schlagartig in hungrige Raubtiere verwandeln.
Nach dieser sehr friedfertigen Begegnung mit Büffeln erreichte uns am Abend die Nachricht, dass es trotz aller Vorsicht auch unangenehme Situationen mit dem "Dangerous Game" geben kann.
Während wir zu unserem Aussichtspunkt am Fluss marschiert waren hatte eine andere Gruppe einen Weg durch eine Ebene genommen, in der Teils hohes Gras wächst. In dem Gras hatte sich ein verwundeter Büffel versteckt, dessen Hinterhuf in eine Schlinge geraten war und den sich das Tier wohl vollkommen abgerissen hatte. Das lädierte Tier hatte bei der Annäherung der Fußgänger dann untypisch aggressiv reagiert und es kam zu genau der Situation für die man stets zwei Schusswaffen mitführt - vermutlich durch Schmerz und Erschöpfung von Sinnen rannte es mit den Hörnern voraus auf die Gruppe zu uns es blieb dem Guide nichts anderes übrig, als innerhalb weniger Sekunden die Waffe in einen schussbereiten Zustand zu versetzen und das Tier zu erschießen. Das "2nd Rifle" war in dieser Gruppe durch einen Schüler besetzt gewesen, der seine Ausbildung an der Waffe schon zu Beginn des Jahres absolviert hatte und der geistesgegenwärtig innerhalb kürzester Zeit die Situation erfasst und auf das Hirn des Büffels gefeuert hatte. Wie knapp das ganze gewesen sein muss kann man daran erkennen, dass das erlegte Tier unmittelbar vor den Füßen der Teilnehmer zusammen gebrochen ist.
Beim Abendessen hat unser Lead Guide von den Vorfall berichtet und bemerkenswerterweise war es das erste Mal in seiner 20 jährigen Karriere, dass er auf ein Tier schießen musste. Aber keiner wollte sich ausmalen was passiert wäre wenn die Kugeln ihr Ziel verfehlt hätten oder die Schützen weniger schnell gehandelt hätten.
Auch wenn solche Zwischenfälle extrem selten sind haben sie uns doch vor Augen geführt, worum es so wichtig ist, so ein Gewehr nicht nur bei sich zu haben sondern im Zweifelsfall auch innerhalb kürzester Zeit davon gebrauch machen zu können.


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