Es sind seltsame Schleifspuren, die aussehen als hätte ein Scharkal sein Abendessen durch den Sand geschleift aber in Wirklichkeit ist es nur ein Elefant, dem sein Rüssel zu schwer geworden ist und der ihn über den Boden schleifen lässt. Es sind die Spuren einer vermeintlichen Echse in Sand, deren Schwanz Schleifspuren hinterlassen hat und die das Leviteren gelernt hat bis eine genauere Inspektion ans Licht bringt, dass ein Pavian nur einen Stock hinter sich her gezogen hat.
Die beiden verbliebenen Prüflinge ließen sich von der mechanischen auch nicht aus der Ruhe bringen und so konnten wir Drei uns glücklich schätzen, dieses Kapitel der Ausbildung abgeschlossen zu haben.
Auch unsere Erinnerungen an die Vogelstimmen erwachen langsam und immer mehr des Anfangs Kauderwelschen gepiepe lässt sich jetzt einer Art zuordnen. Das ist auch deswegen besonders wichtig, weil manche Vogelarten die Anwesenheit potenziell gefährlicher Tiere ankündigen. Allen voran ist der Oxpecker dafür bekannt, dass er sich gerne auf Büffeln niederlässt um sich dort aus den reichlich vorhandenen Zecken einen saftigen Snack zu pflücken.
Statt Büffel darf es hin und wieder auch mal ein Nilpferd sein, und hier konnte ich mal ein Exemplar einfangen, dass grade zwischen den Ohren hitchhiket während seine Kameraden sich davon machen:
Das trillernde Gezwitscher, dass diese Vögel veranstalten wenn sie aufgeschreckt werden kann dann ein Hinweis sein, dass sie gerade ihre Mahlzeit auf einem unmittelbar in der Nähe befindlichen Wiederkäuer beenden mussten, sodass mit besonderer Vorsicht vorzugehen ist. Auch der Ruf des "Goaway Bird" wird als Indikator herangezogen, jedoch meist für nahende Raubtiere. Beobachtet dieser papageienartige graue Vogel irgendwelches Getier, deren Nachbarschaft ihm nicht zusagt stößt er einen quäkenden Ruf, der mit etwas Phantasie klingt wie "Go Away!" und der ihm seinen dankbar einfach zu merkenden Namen eingebracht hat.
Neben den Alarmrufen von Eichhörnchen, Vervet Monkey, oder den Antilopen gibt es hin und wieder auch ein Warnsignal, dass deutlich subtiler ist - nämlich absolute Stille. Ist ein Raubtier in der Nähe kann man das teilweise daran erkennen, das das sonst so muntere Gezwitscher und Gebrabbel der Tiere verstummt und nichts zurück bleibt als das Rascheln der Blätter und das leise Knarzen des Sandes über den man läuft. Einziger Nachteil an dieser Form des Alarmsignals ist, dass man nicht schauen kann, wo das laut keckernde Eichhörnchen grade hin schaut während es seine Artgenossen auf Fressfeinde aufmerksam machen will.
Neben dem Spurenlesen und dem bewussten wahrnehmen seiner Umgebung gibt es immer noch eine Schießprüfung, das ARH auf das wir uns vorbeireiten müssen und nach einer Woche der Trockenübungen war es nun endlich Zeit mal zu überprüfen ob das hohle Ende des Metallrohres in meiner Schulter auch tatsächlich in Richtung des schwarzen Punktes in der Mitte der Zielscheibe zeigt.
Die "Schießbahn" auf der wir dann das erste Mal mit scharfer Munition üben konnten entpuppte sich letztendlich als Sandhügel, der als Kugelfang diente. Die Zielscheiben wurden auf Konstruktionen geklebt, die aus (hoffentlich unbenutzten) Kunststoff Abwasserrohren gebaut sind. Also typisch afrikanischer Pragmatismus.
Trotz der hemdsärmeligen Infrastruktur herrscht im Schießbetrieb absolute Disziplin und die Ausbilder bestehen darauf, dass sämtliche Sicherheitsüberprüfungen von jedem Schützen aufs genaueste ausgeführt werden.
Insgesamt sind für die Prüfung sechs Übungen gefordert:
- Es muss die Waffe mit verbundenen Augen innerhalb von 10s mit 5 Patronen ge- und entladen werden
- Es müssen 5 Schüsse frei stehend aus 12m auf eine Zielscheibe mit ca. 15cm Durchmesser abgegeben werden, ohne dass ein einziger Schuss außerhalb liegt
- Es müssen innerhalb von 12s Zielscheiben in je 12m, 8m und 4m getroffen werden
- Es müssen innerhalb von 14s drei Schüsse auf eine 8m entfernte Zielscheibe abgegeben werden, jedoch ist in der Waffe an einer zufälligen Stelle eine Pufferpatrone geladen, die eine Fehlzündung simuliert. Diese Patrone muss mit zur Seite gekippter Waffe ausgeworfen werden und es muss anschließend aus dem Patronengurt am Gürtel nachgeladen werden
- Es müssen zwei Büffel Zielscheiben in 8m innerhalb von 6s getroffen werden, sodass bei einem echten Büffel das Gehirn perforiert worden wäre
- Zuletzt die Königsdisziplin: der sinulierte Angriff eines Raubtiers. Hier muss der Proband mit dem Gewehr am langen Arm los marschieren und nach einigen Sekunden kommt mit ca. 10 m/s ein Schlitten mit dem Plakat eines angreifenden Löwens auf ihn zu geschossen. Es wird dann erwartet, dass bevor der Löwe beim Schützen angekommen ist dieser sein Gewehr in einen schussbereiten Zustand gebracht hat und das "Gehirn" von der Größe ca. einer CD mit einem gezielten Schuss trifft
Zu Beginn des Übungsschießen haben sich alle etwas schwer getan, weil es widererwartend doch etwas anderes ist als mit einem großkalibrigen .375 Win Mag Gewehr auf eine Zielscheibe zu schießen als einfach nur mit einem leeren Lauf darauf zu zielen und "pew, pew" zu rufen... oder zu denken. Aber nachdem jeder so um die 50 Schuss verüben durfte waren die meisten Löcher am Ende der beiden angesetzten Übungstage doch in Schwarzen und wir wurden als bereit für die Prüfung erklärt.
Neun Prüflinge sind angetreten um sich das Recht zu erwerben, mit scharfer Munition durchs Gebüsch zu schleichen und erstaunlicherweise scheiterten die ersten drei direkt an der ersten Präzisionsübung mit 5 Schüssen auf 12m Entfernung.
Obwohl jeder Schütze pro Übung 2 Versuche hat und in der Probedurchläufen an Ende eigentlich keine verirrten Kugeln mehr außerhalb der Trefferfläche zu finden gewesen waren schien die Nervosität in der Prüfungssituation dafür zu sorgen, dass ein Drittel der Prüflinge bereits in der zweiten der sechs nacheinander zu absolvierenden Übungen ausschied. Auch ich war auf meinen zweiten Versuch angewiesen, da die allererste Kugel wohl durch etwas zu beherztes Ziehen am Abzug ein Stück unter der Zielscheibe landete. Im zweiten Anlauf konnte ich diese Hürde dann aber nehmen und auch die Schüsse auf 12m, 8m und 4m gingen zum Glück reibungslos. Ein weiterer Prüfling musste sich bei der 3. Runde allerdings auch schon verabschieden. Die Übung mit der simulierten Fehlzündung galt als eine der herausforderndsten, weil das Zeitfenster ziemlich eng gesteckt ist und man insbesondere beim Nachladen aus dem Patronenvorrat am Gürtel sehr viel Zeit verlieren kann wenn man sich verhaspelt. Bei mir kam dann noch dazu, dass eine der Patronen beim Repetieren nicht ausgeworfen wurde ich noch mit dem Daumen nachhelfen musste, sodass ich am Ende haarscharf unter der geforderten Zeit geblieben bin. Zwei weitere Kandidaten sind an den Zeitvorgaben jedoch gescheitert, sodass von den ursprünglich 9 Aspiranten nur noch 3 übrig waren. Den Büffel zu treffen war für alle nur noch Formsache, aber die heranpreschende Katze hatte mir bei den Übungen schon immer Probleme bereitet, was sogar soweit ging dass ich das auf der Scheibe eingezeichnete Hirn in keinem der 2 vorherigen Übungsdurchgänge getroffen hatte.
Entsprechend angespannt war ich dann als ich an der Startlinie stand und mit meinem Gewehr unterm Arm los marschieren sollte, wohl wissend dass ich in den nächsten Sekunden die Bekanntschaft mit einer sehr schlecht gelaunten Katze machen würde. Als ich sie auf mich zuschießen sah lief das Durchladen der Waffe jedoch reibungslos, ich konnte entsprechend der Prüfungsanforderungen meine "intimidierenden Schreie um den Löwen vom Angriff abzuhalten" los werden ( es hat sich während sämtlicher Löwenangriffe nicht ein einziger dadurch zum Umkehren bewegen lassen) und hatte dann noch genug Zeit zum zielen. Ca 6m bevor mir der Papierlöwe an die Gurgel gehen konnte habe ich dann angedrückt und als der Schlitten dann die restlichen Meter in meine Richtung zurück gelegt hatte konnte ich schon erahnen, dass es gereicht haben könnte.
Zum ganzen Drill gehört es dann noch, sicher zu stellen dass der simulierte Löwe auch tatsächlich tot ist ( auch da gab es während sämtlicher Übungen wenige Überraschungen), das Gewehr nachzuladen und zu sichern und die Konzentration muss aufrecht erhalten werden bis das alles abgeschlossen ist, denn auch trotz erfolgreichem Treffer kann man aufgrund von Fehlern im Anschluss noch durchfallen. Und am Ende war dann alles geschafft und mir fiel ein Stein vom Herzen als der Prüfer mir zum erfolgreichen Abschluss gratulierte.
Die beiden verbliebenen Prüflinge ließen sich von der mechanischen auch nicht aus der Ruhe bringen und so konnten wir Drei uns glücklich schätzen, dieses Kapitel der Ausbildung abgeschlossen zu haben.
Am Abend wurde dann zwar ein gemütliches Bier zusammen getrunken, aber diejenigen die es heute nicht geschafft hatten sollten am nächsten Tag noch eine zweite Chance bekommen, sodass das Feiern verschoben wurde.
Am nächsten Tag dann gingen die 6 Wiederholer auf den Schießstand zum nächsten Versuch auf die Schießbahn während wir einen Ausflug mit Wanderung und Kaffeepause an einem Fluss machen durften. Während wir beim Kaffee am Gewässer saßen konnten wir eine Herde Hippos darin herum dümpeln sehen ( fun fact: Hippos schwimmen ja nicht an der Oberfläche sondern hüpfen wie etwas aufgedunsene Ballerinas durchs Wasser, was die Frage aufwirft ob sie nicht in tieferen Gewässern im Schlaf ertrinken können. Es scheint aber so zu sein, dass sie einen Reflex entwickelt haben, durch den sich bei einem zu hohen CO2 Pegel im Blut automatisch die Beine durchstrecken und das Flusspferd wieder an die Oberfläche katapultiert).
Außerdem hatten es sich ein paar Krokodile an Land gemütlich gemacht und mit bemerkenswerter Ignoranz staksten zwischen den geöffneten Mündern der Echsen ein paar langbeinige Wasservögel umher.
Nachdem ich mich für die Kaffeepause am Ufer gemütlich eingerichtet hatte hörte ich dann ein Rascheln wie von fallenden Blättern, das aus den Ästen des Baumes über mir drang. Wenige Sekunden rauschte ein grauer, fingerdicker Ast direkt vor meine Füße. Nach einem Moment der Überlegung wollte sich mir nicht ganz erschließen, warum der Ast einerseits grau ist und andererseits erstaunlich wenige abzweigende Äste aufweist. Mein Denksport am morgen wurde dann relativ zeitnah dadurch beendet, dass der "Ast" begann sich von mir fort schlängeln und das Weite zu suchen. Auch wenn ich nicht herausfinden konnte um welche Sorte Schlange es sich wohl gehandelt haben musst war ich doch ganz dankbar, dass sie nicht 30cm weiter rechts herunter geplumst ist und sich vielleicht berufen gefühlt hätte, sich als Turban oder Rückenkratzer zu verdingen.
Als wir dann von unserem Ausflug zurück kamen konnten dann drei weitere Schützen vermelden, dass sie die Papierkatze erfolgreich neutralisiert hatten. Am Abend ging es dann zur Abwechslung mal nicht für Trockenübungen mit den Gewehren ins Gelände sondern in einen teils versandeten Teil des Limpopo, der ein einem Strand wohl so nahe kommt wie es in der Mitte zwischen Atlantik und Indischem Ozean wohl erwartet werden kann und mit einem Fußball in der einen und einem Savannah Cider in der anderen Hand konnte wir mal auf ausgezogene Schuhe anstatt auf Pappescheiben schießen.





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