Freitag, 24. Oktober 2025

Unterwegs auf primitiven Pfaden - oder - was Leoparden und Zuckerbohnen gemeinsam haben

Nachdem wir mit Abschluss der Advanced Rifle Handling Prüfung den ersten Abschnitt der Ausbildung hinter uns gelassen hatten stand danach als Belohnung eines der Highlights unserer Zeit in Busch an: Eine "Primitive Trails" Tour über drei Tage, also eine Mehrtageswanderung bei der wir alles lebensnotwendige in unseren Rucksäcken bei uns tragen und die Nächte unter freiem Sternenhimmel draußen schlafen. Da ich nur einen kleinen Rucksack mit 40l dabei hatte, der eigentlich für die Tagestouren gedacht war, war es gar nicht so einfach alles hinein zu quetschen was man für die beiden Übernachtungen so braucht. Von den 40l sind schon mal die ersten 6l für Wasser reserviert und wenn man dann noch den Schlafsack, die Isomatte und den Kocher mit Topf und Gaskartusche dazu rechnet, dann bleibt gar nicht mehr so viel Platz für Komfortgüter des alltäglichen Lebens. Anders ausgedrückt, konnte ich mir noch eine Zahnbürste, eine Kopflampe und einen Satz Ersatzklamotten einpacken und dann war auch schon wegen Überfüllung geschlossen. Mit rund 15kg war das Päckchen dann immer noch deutlich leichter als der Hausstand, den wir in Japan mit uns herum getragen haben, aber dort mussten wir auch nicht bei Temperaturen marschieren, bei denen unsere Verpflegung den Aggregatezustand zu wechseln droht. 



Nach dem Mittagessen machten wir uns dann, Beladen mit dem Notwendigsten auf den Weg, einem unbekanntem Ziel entgegen. Unser Instructor hatte schon angekündigt, dass er sämtliche Fragen danach, wo wir heute schlafen werden mit "Unter den Sternen" beantworten würde und jegliches Erfragen der verbleibenden Zeit mit "Bis wir da sind". Unser Weg führte uns am Anfang durch den bereits lieb gewonnen Wald aus Fever Trees und nachdem wir uns dort Grade durch ein paar Büsche gezwängt hatten hörte ich ein Schnauben weiter vorne. 



Da ich weiter hinten gelaufen bin konnte ich nicht so richtig einordnen, wo es her kam aber einen Wimpernschlag später sauste ein sichtlich aufgebrachter Büffel aus einem Gebüsch zu unserer Linken und kreuzte unseren Weg ca. 15m vor unserer Nase um dann zu unserer Rechten wieder im Unterholz zu verschwinden. Was für mich ein Anstieg der Pulsfrequenz um mindestens 40 Schläge pro Minute bedeutete konnte unserem Guide an der Spitze nicht mal ein Zusammenzucken abringen, aber wieder ein mal war ich erstaunt wie es 800kg Rindvieh so einfach ungesehen hinter einem Busch versteckt sein können und wie schnell vier Hufe die Massenträgheit eines halben Pkw überwinden können.

Wenig später durften wir noch ein paar Elefanten beim Abendbrot beobachten und im Anschluss führte uns der Weg am teils ausgetrockneten Limpopo entlang. 


Nach so drei Stunden Wanderung hatten wir unser Lager für die Nacht dann erreicht und wir machten Camp an einem steil abfallenden Ufer des Flusses, das dank des Sandes am Boden eine fast karibische Stimmung ausstrahlte. Nachdem die grundlegenden Dinge geklärt waren, wie die Position des Feuers, welche Büsche in der Umgebung zur Toilettentür befördert wurden und wo die Schlafplätze vergeben werden, wurden die anstehenden Aufgaben besprochen. 



Einerseits brauchten wir Feuerholz fürs Lagerfeuer, andererseits mussten die Wasservorräte ausgefüllt werden - und zwar diesmal nicht aus einem Wasserhahn sondern aus der Hohlvene von Mutter Natur, dem Flussbett des Limpopo. Und um die Anzahl der Mikroorganismen zu reduzieren, die wir dann als stark verdünnte Meeresfrüchtesuppe zu uns nehmen würden haben wir das Wasser nicht direkt aus dem Fluss entnommen sondern in der Nähe ein Loch gebuddelt um von dort das einlaufende Wasser abzuschöpfen. Feuerholz war aufgrund des angespülten Treibholzes kein Problem und bald war waren die Schlafplätze vorbeireitet, das Feuer prasselte und unsere Wasservorräte waren aufgefüllt. Schlafsäcke sollten allerdings zunächst zusammengerollt verbleiben - nachdem ich es durch Japan geschafft hatten ohne das Bett mit einer Danger Noodle teilen zu müssen, wollte ich nicht jetzt auf den letzten Drücker noch schlängelnden Besuch bekommen. Neben unseren fußlosen Freunden gab es eine weitere Gemeinsamkeit mit dem Ostasien-Trip: der Ernährungsstil. Um das Gewicht nicht allzusehr in Richtung Karawane entgleiten zu lassen hatten wir Instant Nudeln und Erdnüsse als Verpflegung mitbekommen und ich konnte konnte nicht umhin mich an die Tage mit Francis zurück zu erinnern. 



Als wir gerade mit dem Kochen fertig waren, kam uns pünktlich zum Sonnenuntergang eine Elefantenfamilie besuchen, die am Fluss zum Trinken kommen wollte.




 Ganz offensichtlich waren sie erst Mal erstaunt über die Wegelagerer an Ihrer Hausbar und standen erst Mal unschlüssig vor unserem Toilettenbusch. Nach einer halben Stunde intensiven beäugens und beschnüffelns aus ungefähr 20m Entfernung zogen sie dann aber ein Stück weiter den Fluss hinab um sich dort ins erfrischende Nass zu stürzen.

Damit wir nicht des Nachts als Fußabtreter eines Elefanten oder Schlafsack-Wrap für einen Löwen enden wurden für die Nächte jeweils Wachen eingeteilt, sodass jeder von uns für ungefähr eine Stunde die Umgebung beobachten und unliebsame Annäherungsversuche kundtun sollte. Zwar war der Gedanke, den kostbaren Schlaf mitten in der Nacht für eine Stunde zu unterbrechen zu müssen zunächst wenig erstrebenswert, aber im Endeffekt stellte es sich als wunderbares Erlebnis heraus, nachts ganz alleine unter dem Sternenhimmel wache zu halten. In sicherer Entfernung konnte ich eine Hyäne heulen hören, eine junge Eule übte in der Nähe das Schuhuhen und mehrfach konnte ich das namensstiftende, nach Säugling klingende Geschrei eines Bushbabies in den Wipfeln der Bäume hören. Dank des Neumonds war der Sternenhimmel so deutlich zu sehen, dass man sogar die Milchstraße mit bloßem Auge erkennen konnte. 


Aber bei den Kontrollgängen rund ums Lager konnte ich keinen abendlichen Besuch feststellen, der unserem Lager beiwohnen wollte und auch die Hyäne hatte wohl andere Pläne für den Abend. Trotz fehlender Schutzbarriere zwischen Wildnis und mir konnte ich schlafen wie ein Stein und zu unserer Freude klingelte am nächsten Tag nicht wieder um 04:30 Uhr der Wecker sondern wir durften ausschlafen bis uns die Sonnenstrahlen gegen sechs Uhr wach kitzelten.

Der zweite Tag bestand dann aus abwechselnd Episoden von Laufen und Pausen, wobei wir einen wirklich heißen Tag erwischt hatten der an der Energie zehrte. Insbesondere während der Mittagshitze konnten wir uns unter einem riesigen Affenbrotbaum für eine längere Pause einrichten und ich habe die europäische Tradition der Siesta aufrechterhalten. 

Gegen Nachmittag dann erreichten wir unser nächstes Lager für die Nacht, diesmal uf einer Lichtung in der Nähe einer Quelle, aus der trotz der fortgeschrittenen Trockenzeit noch Wasser kam. 


Und genau wie am Tag zuvor wurde nicht nur Brennholz gesammelt und möglichst Protein-armes Wasser geschöpft sondern pünktlich zum Sonnenuntergang kam uns wieder eine Herde Elefanten besuchen. Diesmal waren sie etwas durch die Büsche verdeckt und auch die Sonne stand schon tiefer, aber wir konnten wunderbar hören, wie sie vermutlich eine Wasserschlacht veranstalteten und durch den matschigen Boden patschten. Nach einer weiteren Nacht unter sternenklarem Himmel aber ohne Vierbeinige Besucher machten wir uns dann am nächsten Tag mit mittlerweile etwas leichtem Gepäck wieder auf Richtung Camp. Zwar hatte unsere Tour von vornherein den Anspruch gehabt, sich weniger durch kulinarische und mehr durch erlebnisreiche Highlights hervor zu tun, aber wir alle wurden davon ins Lager getrieben unsere Instant-Nudel-Erdnuss-Diät zugunsten eines herzhaften Frühstücks aufzugeben.

Wieder in Lager angekommen konnten wir erst Mal verschnaufen und wurden von der in Lager verbliebenen anderen Hälfte der Schülerschaft begrüßt. Nachdem wir uns gemeinsam an einem zwar nicht besonders gewichtsoptimierten aber dafür umso schmackhafteren Frühstück gütlich getan hatten, wurde der sinnbildlich Staffel-Campingkocher an die zweite Gruppe übergeben, sich dann zu ihrem Abenteuer aufmachen sollte. 

Damit unsere Hälfte nicht vollkommen gelangweilt im Camp versauern muss wurden wir von einem zweiten Instructor auf einen abendlichen Game Drive mit Sonnenuntergangs-Drink ausgeführt. Die Entwöhnung von unserer Zeit als Vollzeit-Buschmensch hätte nicht sanfter ausfallen können, denn der Ort an dem wir unseren Sundowner schlürfen durften war absolut spektakulär - eine Brücke mit Blick über den Levuvhu Fluss, wobei sich schon die Fahrt dahin anfühlte wie der Besuch in einem Zoo mit viel zu vielen Tieren für viel zu wenige Gehege. 



Neben Impalas, Büffeln, Nyala, Elands und Warzenschweinen drängten sich dort noch Giraffen, Elefanten, Vervet-Äffchen und verschiedenstes Federvieh, sodass man gar nicht so richtig wusste wo man zuerst hin schauen sollte. Um die Brücke herum war permanent ein Schwarm Schwalben am herumwuseln und als einer der Vögel scheinbar zu nahe am Wasser nach Insekten fischen wollte und ein unfreiwilliges Bad im Fluss genommen hat konnten wir noch einen Fischadler beobachten, der seine Chance witterte und den Unglücksseeligen aus dem Wasser fischte und verspeiste. 




Ein Impala, dass scheinbar vollkommen unbeeindruckt einen Spaziergang zwischen zwei Krokodilen unternahm hatte jedoch erstaunlicherweise mehr Glück - entweder waren die Echsen wohl schon satt oder sie haben im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung darauf verzichtet immer wieder das selbe zu essen. 



Ein wenig Vorsicht ist an der Brücke auch für menschliche Besucher geboten - das Gebiet ist für die Leoparden bekannt die sich in der Umgebung gerne aufhalten und vor einiger Zeit ist ein Tourist selbst zum Opfer einer Raubkatze geworden, als er oder sie an einem der umstehenden Bäume das Sundowner-Getränk wieder dem Kreislauf des Lebens zuführen wollte.

Auf dem Rückweg, wieder im sicheren Auto konnten wir dann auch tatsächlich ein Lebenszeichen eines Leoparden wahrnehmen, wenn auch leider nur mit unseren Nasen. Ein ganz charakteristischer Geruch nach Popcorn, der allerdings eher dem "Popcorn-Geschmack" von Jelly Belly Beanie Bohnen gleicht stieg uns in die Nase und dieser entsteht wohl wenn Leoparden ihr Revier markieren. Für mich war es das erste Mal, dass ich den Geruch so bewusst wahrgenommen habe und auch wenn die Katze selbst im Verborgenen blieb wissen wir zumindest, dass etwas dran ist an der Leoparden Population in der Nähe.  

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