Im Vergleich zu den in Deutschland heimischen Störchen sind die schwarz-grauen Marabus nicht unbedingt mit optischer Gefälligkeit gesegnet und es verwundert nicht, dass man ihren europäischen weiß-schwarzen Verwandten nachsagt, dass sie die Babies bringen; wären es die Marabus, dann wären die Geburtenraten wohl noch weiter im Keller. Eine Horde fliehender Aasfresser in Verbindung mit dem vorsichtig ausgedrückt sehr gewöhnungsbedürftigen Geruch ließ bereits erahnen, was hinter der nächsten Ecke auf uns wartet. Und tatsächlich fanden wir die Reste eines Elefanten vor, der mit einer Schlinge am Fuß wohl als unbeabsichtigter Beifang von Wilderern geendet ist.
Aufgrund der unmittelbaren Nähe zu Zimbabwe sind Wilderer und insbesondere die von ihnen ausgebrachten Schlingen ein großes Problem für die ansässigen Tiere. Im Gegensatz zu den Wilderern, die es auf Nashorn oder Elefanten abgesehen haben um deren Hörner oder Stoßzähne zu verkaufen handelt es sich bei denjenigen im Norden überwiegend um Einheimische, die mithilfe der Schlingen Tiere erlegen wollen um anschließend deren Fleisch entweder selbst zu verzehren oder zu verkaufen.
Immer wieder sind wir auch Einheiten der "Anti-Poaching-Force" begegnet, die in Geländewagen und mit Sturmgewehren bewaffnet versuchen, die Eindringlinge im Nationalpark zu stellen, aber wohl nur mit wenig befriedigendem Erfolg. Auch auf unseren Touren sind wir immer wieder über Fußspuren gestolpert, die von Wilderern stammen und immer wieder haben wir Schlingen oder Stahlseile gefunden.
Die Schlingen werden dabei mit einem Ende fest an einem Baum verankert und dann als große Schlinge auf Kopfhöhe der Büffel im Unterholz auf den Wildwechseln befestigt. Läuft dann ein Büffel oder ein anderes Tier durch die Schlinge, so zieht sie sich zu und die Tiere ersticken entweder oder reißen sich in Panik geraten ganze Gliedmaßen ab.
Auf diese Art muss auch der kleine Elefant ums Leben gekommen sein und auf den Ästen um ihn herum waren überall Geier und Marabus zu sehen.
Nach diesem sehr wenig beschaulichen Anblick konnten wir zum Glück einige Zeit später das erste Mal eine Herde Büffel in freier Wildbahn zu Fuß beobachten. Auch wenn Büffel mit ihrem Kuh-artigen Äußeren zunächst Recht pazifistisch und gemütlich erscheinen, sind sie im Norden des Krüger Nationalparks für die meisten Zwischenfälle verantwortlich. Insbesondere ihre Eigenschaft, einer Störung durch Außenseiter auf den Grund gehen zu wollen anstatt - wie viele andere Tiere - einfach das Weite zu suchen sorgt dafür, dass man gut aufpassen muss wenn man sich einer Herde nähert. Noch gefährlicher sind einzelne ältere Büffel, die sich von der Herde abgesetzt haben und entweder alleine oder mit mit anderen männlichen Ku(h)mpels ein Leben in Unabhängigkeit der Herde führen. Diese älteren Büffel sind dafür bekannt, dass sie von teils lateinamerikanisch-feurigem Temperament sind, was man unter anderem der Tatsache zuschreibt, dass ihnen im Alter die Haare an Rücken und Gesäß ausfallen und sie dort dann wohl an chronischem Sonnenbrand leiden. Um dem zu begegnen suhlen sie sich ganz besonders gerne im Schlamm, was ihnen den Namen "Dagga-Boy" eingebracht hat, wobei "Dagga" ein Wort für Schlamm in einer der traditionellen afrikanischen Sprachen ist.
Unsere Herde Büffel war aber zum Glück noch wohlbehaart und zeigte auf unsere Anwesenheit keine Aggressivität. Interessant zu beobachten war, dass die Herde sich in zwei Teile aufgeteilt hatte, ein paar jüngere Bullen auf unserer linken Seite und eine Mutter mit jungem und ein paar älteren Bullen auf unserer Rechten.
Während die Youngsters mit angestrengter Mine, ausgebreiteten Ohren und gehobenem Kopf ganz genau beobachten wollten was die Zweibeiner in ihrer Nähe dort treiben waren die erfahreneren Büffel vollkommen unbeeindruckt von unserer Anwesenheit und abgesehen von einem regelmäßigen Kontrollblick in unsere Richtung bekamen wir wenig Aufmerksamkeit.
Für uns war das ein lehrreiches Exempel, wie Tiere der selben Spezies äußerst unterschiedlich auf menschliche Annäherung reagieren.
Auf dem Rückweg passierten wir dann ein Passage mit hohem Gras zu unserer Rechten, als plötzlich ein Rascheln an unsere Ohren Drang und die Halme anfingen sich zu bewegen. Vor meinem inneren Auge sah ich schon den Leoparden aus der Deckung der Vegetation auf uns zuspringen um sich ein Stück der weit und breit wohl leichtesten Beute zu sichern. Unser Instructor Ross zeigte jedoch kaum Regung und statt sein Gewehr in den Anschlag zu bringen lief er einfach unbeirrt weiter. Wenige Sekunden des Raschelns später sauste dann ein Warzenschwein mit steil in die Luft gerecktem Schwanz aus dem Gebüsch und querte unseren Weg um in der nächsten Deckung zu verschwinden. Auch wenn ein Warzenschwein vermutlich Schwierigkeiten haben würde, einen Menschen zu erlegen und kein besonders gefährliches Tier darstellt, so hat uns die Begegnung doch sehr bewusst gemacht, wie einfach es einem schlecht gelaunten oder hungrigem Tier fallen muss, sich in der Teils dichten Vegetation zu verstecken und wie wenig Zeit einem bliebe, sich selbst von der Speisekarte wieder streichen zu lassen.
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