Einer der Gründe, warum es uns in die Tottori Präfektur und damit in die Gegend mit den wenigsten Touristen verschlagen hat war die Tatsache, dass wir hier einen kleinen Beitrag zu einem Naturschutzprojekt leisten können. In diesem Fall schenken wir unsere Aufmerksamkeit dem japanischen Riesensalamander, einem bis zu 1,5 Meter langem, nachtaktivemn Amphib, das in kühlen, klaren Flüssen lebt, eine schleimige Haut zur Tarnung besitzt und sich hauptsächlich von Fischen und Wirbellosen ernährt.
Dieses Tier ist in Japan als "Besonders Naturdenkmal" anerkannt, aber ist in seiner Verbreitung in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Das Problem liegt unter anderem darin, dass in Japan nahezu alle Flüsse begradigt und einbetoniert sind. Damit bei Starkregen das Wasser nicht zu schnell fließt sind dann Staustufen eingebaut.
Hat sich dann einer der Salamander mal in so eine Betonwüste verirrt hat er gleich zwei Probleme: Einerseits kommt er an den Flussufern nicht mehr hinaus weil die Betonwände zu steil sind. Andererseits werden Exemplare immer wieder die Staustufen hinunter gespült und auch die sind dann zu steil um wieder flussaufwärts zu kommen. Irgendwann sind sie dann so weit nach unten gespült worden, dass sie sich der Flussmündung in den Pazifik nähern und mit steigendem Salzgehalt sinken die Überlebenschancen.
Die Organisation "Sustainable Daisen" hat es sich deshalb zum Ziel gesetzt, die Flüsse etwas Salamander-freundlicher zu gestalten. Genauer gesagt läuft aktuell die Vorbereitung für ein Projekt, bei dem in die größeren Flüsse wie der Nawa für die Staustufen jeweils eine Salamander-Treppe bekommen. Mithilfe der Treppen könnte ein verirrtes Amphib zumindest den Weg flussaufwärts antreten und sich einen der kleineren und nicht betonierten Nebenflüsse als Bleibe suchen. Um die Regierung von der Notwendigkeit zu überzeugen werden daher regelmäßig Untersuchungen durchgeführt bei denen einzelne Exemplare identifiziert werden und ihr Aufenthaltsort dokumentiert wird, sowie mögliche Verletzungen an den Füßen. Abschürfungen an den Zehen entstehen, wenn sie versuchen die senkrechten Wände hoch zu krabbeln und sich dabei am rauen Beton verletzen.
Und wie Eingangs schon erwähnt ist der Riesensalamander ein Geschöpf der Nacht, sodass unsere Expeditionen grundsätzlich nach Sonnenuntergang stattfinden.
Mit einem Gehstock, Kopflampe und einer Wathose bewaffnet gilt es dann in den Flüssen der Umgebung die gut getarnten Amphibien zu finden, zu fangen, nach Möglichkeit ihre Identität anhand eines implantierten Chips zu bestimmen und dann zu untersuchen. Die Arbeit wird dadurch etwas vereinfacht, dass die Salamander den Unfug meist mit stoischer Ruhe hinnehmen und nur wenige Anstrengungen unternehmen, wieder in ihr gewohntes Habitat zu entfliehen.