Mittwoch, 28. Mai 2025

Die letzte Woche in Japan - oder - Kräuterdach und Bambusbau

Die letzte Woche in Daisen hielt neben eingecremten Schweineohren und Jagd auf ausgebrochene Hühner einiges an Farm Arbeit bereit - die Farm selbst ist noch mehr oder weniger in den Anfängen, sodass wir teilweise auch etwas Grundlagenarbeit leisten müssen.

Unter anderem habe ich mal die Erfahrung machen dürfen, was für eine Arbeit es ist nur mit einer Spitzhacke und einem Spaten eine vollkommen zugewucherte Wiese in ein Gemüsebeet zu verwandeln. In diesen fünf liebevoll angelegten Reihen haben jetzt einige Erdnüsse und Mais ein neues Zuhause gefunden und vermehren sich hoffentlich prächtig. Im Gegensatz zu industrieller Landwirtschaft besteht der Pflanzenschutz hier aus den flinken Händen von Farmarbeitern, die in regelmäßigen Abständen das Unkraut ausrupfen und dann zum Schutz gegen Wettereinflüsse wieder auf den Erdhügeln drapieren. 

Die Kunst besteht darin, die eigentliche Nutzpflanze vor dem ersten Rupfen zu identifizieren und an ihrem angestammten Platz zu belassen - wobei ich zugeben muss, dass durch meine Hand auch ein oder zwei Kartoffeln vom Gemüse zu Wetterschutz degradiert wurden.

Ein anderes Projekt bestand in einem Wildschwein-Abwehrzaun, der für die nächste Generation Gemüsebeet sicherstellen soll, dass die sich nicht in ein Buffet für Paarhufer verwandelt. Als Baustoff wurde das auserkoren was wahrlich überall in ausreichender Menge vorhanden ist: Bambus 
Und so wurde zwischen zwei senkrecht in Boden versenkte Stäbe Bambus geschichtet, der als Bastion gegen hungrige Borstentiere dienen soll. Auch wenn es nicht nach viel aussieht - es ist wirklich beeindruckend, wie viele Bambusstangen notwendig sind um einen kniehohen Zaun zu errichten. Aber neben einem nützlichen Zaun können wir so gleich noch den sehr expansionsfreudigen Bambus etwas zurück drängen.

Am Wochenende gab's ein wenig Kultur in Form eines recht bekannten Berg-Tempels, der auf gut 800m in eine Felshöhle gesetzt wurde.
Der Weg bergauf war halbwegs abenteuerlich und glich an vielen Stellen eher einem  Klettersteig als einem Wanderweg. Immer wieder gab es zwischendurch kleine Hütten und Schreine und die Aussicht über das grüne Blätterdach war auch nett.
Damit unterwegs keiner verloren geht haben wir am Eingang Schärpen bekommen, die dann bei Rückkehr zurück gegeben werden müssen. Ich frage mich allerdings ob wirklich jeden Abend gezählt wird ob alle Stoffbändchen zurück sind und ob überhaupt jemand weiß wie viele davon ausgegeben wurden.


Ganz am Ende erwartet einen dann ein Tempel, der in einen Überhang gebaut wurde und wohl schon seit mehr als 700 Jahren dort zu finden ist.

Ich habe mich unwillkürlich gefragt, wie diese ganzen Baumstämme ihren Weg nach oben gefunden haben - das muss eine echt Plackerei gewesen sein. Aber nach ungefähr einer Stunde Kletterei eine wirklich interessante Aussicht - auch wenn man den Tempel selbst nicht besichtigen konnte.

Ein  anderes Highlight in der Gegend sollte das Sandmuseum in Tottori sein, wobei dort nicht über die naturkundliche Bedeutung von Sandkörnern unterrichtet wird sondern jährlich wechselnde Skulpturen aus Sand errichtet werden. Anscheinend ist der Sand in Tottori ganz besonders beschaffen und lässt sich mithilfe von Wasser besonders gut zu einer festen Masse Pressen, in die dann die Skulpturen geschnitzt werden.

Gleich nebenan, quasi als Reservoir für den Werkstoff Sand finden sich die Dünen, die mit 45m Höhe zu den größten von Japan gehören. Ob die ganzen Touristen die da drüber latschen der Langlebigkeit dieses Naturdenkmals so zuträglich sind ist fraglich, aber man bekommt ein wenig das Gefühl einer Mars-Landschaft in den riesigen Sandhaufen.

Damit neigte sich die Zeit in Japan auch schon dem Ende entgegen und so langsam war es Zeit für die Rückreise.

Rückblickend auf die Zeit in Japan lässt sich zusammenfassend sagen, dass ich mir das Land doch ganz anders vorgestellt hatte als ich es jetzt letztendlich wahrgenommen hatte.
Ich hatte mir eine Hightech Nation vorgestellt, die zwar mit dem demografischen Wandel zu kämpfen hat, aber mit topmoderner Infrastruktur und Technologie glänzt. Im Endeffekt hat sich fast das Gegenteil herausgestellt und außerhalb der großen Städte hat man teilweise fast das Gefühl in einem Schwellenland zu sein. 
Viele der Häuser und auch die traditionelle kleinteilige Landwirtschaft erregen eher den Eindruck eines Low-Tech Lebens. Computer und Digitalisierung gibt es fast überhaupt nicht, die Häuser sind überwiegend sehr einfach gestaltet und man begegnet außerhalb der Städte ziemlich viel Verfall. Extrem viele Häuser sind verlassen oder eingestürzt, Geschäfte stehen leer und Anlagen wie Freizeitparks oder Schwimmbäder sieht man allerorts wie ein Geisterhaus verrotten. 

Dafür waren die allermeisten Menschen die wir getroffen haben wirklich äußerst freundlich und entgegen des Vorurteils der unterkühlten Höflichkeit waren viele Leute auch äußerst herzlich. 
Zum Wandern eignet sich dieses Land allerdings nur mäßig und ich bin froh dass wir unsere Zeitplanung so gestaltet haben, dass wir nicht den gesamten Pilgerweg gehen mussten, inklusive der kilometerlangen Strecken entlang großer Straßen und durch die ganzen Städte. Glücklicherweise konnten wir uns die Stücke raus picken, die uns entlang der wenigen Wanderwege durch die Berge geführt haben und die waren dann auch meist wirklich schön. Ein besonderes Erlebnis war es auch sicher immer wieder die Tempelanlagen zu besuchen, die zwar alle sehr unterschiedlich aber immer wieder interessant gestaltet waren. Aber nach den fast 7 Wochen bin ich dann auch dankbar wieder Nahrung zu mir zu nehmen, die vorher gegart wurde und einen Kaffee zu trinken der nicht aus einem Automaten ausgespuckt wurde.

Grade Zuhause angekommen gab es dann spontan gleich eine weitere Chance, sich für den Naturschutz zu engagieren und direkt ein paar Stunden nachdem ich wieder in Deutschland war konnte ich dabei helfen, mit einer Drohen mit Wärmebildkamera der Kreisjägerschaft eine Wiese nach Rehkitzen zu suchen, die auf einer zu mähenden Wiese angelegt wurden - und tatsächlich konnten wir ein Kleines vor dem Mähwerk zu bewahren.

Das Kitz konnte dann in ein benachbartes Feld umgesiedelt werden und muss von der Mutter  eingesammelt worden sein - bei einem Kontrollbesuch war es zumindest wieder verschwunden.

Und als nächstes Projekt sitzen wir jetzt Grade auf der Fähre nach Island mit unseren Motorrädern.
Hoffentlich ist das Wetter gnädig zu uns und Wind und Regen suchen uns nicht allzusehr heim auf unseren Zweirädern.

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