Und um einen Ausflug auf dieses notorisch regnerische und windige Eiland noch ein wenig interessanter zu gestalten verzichtet man am besten auf Schnickschnack wie Dächer, Heizungen oder mehr als eine angetriebene Achse und wählt als Fortbewegungsmittel das Motorrad. Ausgestattet mit Zelt, Regenkombi und Campingkocher wollten wir die Insel in möglichst unmittelbarer Form erfahren und sollten später feststellen, dass diesem Wunsch intensiver nachgekommen wurde als uns dann eigentlich lieb gewesen wäre.
Am Anfang der Reise stand zunächst die Tour hinauf zum Fähranleger nach Hirtshals, von wo die Norröna uns mit einem Stop auf den Färöer Inseln hinauf nach Seyðisfjörður am östlichen Ende Islands bringen sollte.
Die knapp tausend Kilometer rauf in den Norden hatten wir uns mit einem Stop in Dänemark in zwei Teile geteilt und mit den liebevoll als Dickschiffe bezeichneten Reiseenduros war der die Herausforderung im ersten Abschnitt über die Autobahn auch mehr eine Frage wie Vielfältig die Spotify Playlist gestaltet werden kann, als dass es eine wirkliche Herausforderung gewesen wäre.
Am morgen des 25. Mai wurden die Motorräder dann gewissenhaft auf der Fähre verzurrt - was sich in der Folge als äußerst sinnvoll herausstellen sollte.
Die Norröna bezeichnet sich selbst als Luxusfähre und in der Tat hatte sie die ein oder andere Annehmlichkeit bereit auf die man per Anreise im Flugzeug sicher hätte verzichten müssen. Selbst bei der Lufthansa haben sie zum Beispiel noch keine Sauna, Fitnessstudio oder Swimmingpool in den A380 soweit ich weiß.
Nachdem wir auf anderen Fähre nach Großbritannien oder Sardinien durchaus zweifelhafte Erfahrungen mit dem Nahrungsangebot an Bord gemacht haben muss man den Färöischen Betreibern wirklich lassen, dass sie wissen wie man ein Buffet zusammen stellt und das zu einem durchaus angebrachten Preis. Es hätte sich hier auf dem Schiff also wie in einem gleitenden 4-Sterne Hotel leben lassen können, wenn da nicht diese Sache mit dem Wasser und dem Wind gewesen wäre. Die Ausläufer eines Sturmes im Atlantik bescherten uns eine durchaus bewegte Überfahrt und wenn man Bilder aus dem Innern des Schiffes sehen würde könnte man glauben, Bier käme kostenlos aus den Wasserhähnen der Bord-Toilette, so sehr schwankten die Passagiere auf ihrem Weg durch die Gänge.
Auf der Mitte der Reise gab es einen kurzen Zwischenstopp in Thorshaven, der "Hauptstadt" der Färöer. Wir durften für ein paar Stunden auch das Schiff verlassen und die Insel erkunden, wobei die Stadt selbst äußerst überschaubar ist. Einen netten Hafen gibt es dort und genau passend zu den Wind und Wellen auf dem Ozean konnte man eine Karte mit den versunkenen Schiffen der letzten hundert Jahre begutachten - es waren dann doch einige.
Nachdem wir dann zwei Tage von bis zu 6m hohen Wellen in den Schlaf gewogen worden sind kamen wir am 28. Mai bei bestem Wetter am Hafen in Seyðisfjörður an. Schon die Einfahrt in den Fjord war durchaus beeindruckend - genau wie die Menge an Schnee die wir auf den Flanken der Hügel dort ausmachen konnten. Wir hatten uns schon im Vorfeld gefragt, wie viel unserer Strecke wir wohl auf Asphalt und wie viel abseits der Straßen zurück legen können würden. Dieser erste Blick auf die Insel ließ uns vermuten wir hätten besser einen Hundeschlitten als übergewichtige Zweiräder mitgebracht.
Als erstes Zwischenziel nach der Ankunft hatten wir uns die Westfjorde ausgesucht - den Bereich im äußersten Nordwesten der Insel. Aufgrund der Tatsache, dass die große Ringstraße nicht in dieses Gebiet hinein führt hatten wir uns dort eine geringere Dichte an Berliner Hipstern in ihren sooo individuell ausgebauten Campervans mit furchtbar inspirativen Sprüchen auf der Heckklappe erhofft. Außerdem war für diesen Bereich in der Isländischen Online Straßenkarte eingezeichnet, dass alle Straßen befahrbar und frei von Schnee sind - vermutlich wegen der relativ geringen Höhe über dem Meeresspiegel.
So trugen uns unsere Motor-Mulis am ersten Tag von den Fjorden im Osten zunächst in den Norden hinauf und dann Richtung Nordwesten. Unterwegs haben wir dann direkt schon mal die klassischen isländischen Attraktionen abhaken können - Wasserfälle uns Geothermal-Gebiete.
Und wenn wir schon Wasser beim Fallen zuschauen wollten, dann wenigstens richtig, sodass wir uns mit dem Dettifoss dem wasserreichsten Wasserfall Europas zu Gemüte geführt haben.
Nächster Stop wurde an einem Gebiet mit blubbernden Schlammfeldern und. Dampfgeysiren eingelegt. Dort kommt das Wasser aus bis zu 1000m Tiefe wieder an die Erdoberfläche und tritt dort entweder als Dampf aus oder bildet Pfützen, die aussehen wie ein Hexenkessel aus einem alten Disney-Film in dem nur noch die Fischgräten fehlen. Die Ablagerungen der Mineralien bilden aber äußerst beeindruckende Farbspiele mit unterschiedlichen Schattierungen aus grau, braun und gelb.
Mindestens so beeindruckend wie der Anblick ost außerdem der Geruch, der durch die Schwefelgase Zustande kommt. Als hätten die Vikinger damals statt Schafen und Pferden eine ganze Horde Hühner über den Ozean gebracht deren gesammelte Gelege seit Jahrhunderten unterirdisch vor sich hin fermentieren, so darf man sich den Geruch vorstellen. Nicht unbedingt appetitanregend aber man kann förmlich riechen durch welche Gesteinsschichten das Wasser gepresst wurde bevor es an die Oberfläche gespült wird.
Als Endstation des Tages hatten wir uns einem Campingplatz ausgesucht, der mit einer eigenen heißen Quelle ausgesucht. Am Eingang zu den Westfjorden gelegen hatte man aus dem warmen Pool eine hervorragende Sicht auf Wasser. Und so konnten wir bei 42° Wassertemperatur und 7° Lufttemperatur den Tag mit einem Bier ausklingen lassen und überlegen wohin es uns am nächsten Tag verschlägt.

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