Dieser Umstand traf sich hervorragend mit der Tatsache, dass wir zwar schon zahlreiche Wasserfälle, Geothermal-Gebiete und Fjorde besichtigt hatten, aber ein Island-Klassiker noch fehlte: ein echter wildlebender Vulkane. Und mit dem Fagradalsfjall, der südlich vom Reykjavik insbesondere in den letzten Jahren immer wieder für spontane Landschaftsumgestaltung verantwortlich ist.
Auf dem Weg Richtung Süden war uns noch ein kleiner Zipfel F-Road aufgefallen, den wir als kleinen Offroad-Ausflug mitnehmen können. Und so sah unser Plan für den Tag aus, einen Abstecher auf die F553 zu machen und anschließend in der Nähe des Fagradalsfjalls zu campen. Ein kurzer Check online ergab, dass die Straße frei ist, also los zum langen See!
Das erste Stückchen war auch äußerst gut machbar, aber nach einer Floßüberquerung (zum Glück per Brücke) würde es dann doch irgendwann interessant. Auch wenn es das erste Bild nicht notwendigerweise sofort erahnen lässt - es waren einige wirklich steile Passagen dabei und dort sorgte teils loses Geröll gemischt mit dicken Felsbrocken dafür, dass keine unnötige Langeweile aufkam.
Irgendwann zogen jedoch dicke schwarze Wolken auf, die ersten Tropfen fielen und wir beschlossen, dass diese Strecke hier nicht der richtige Ort ist um unseren Motorrädern das Schwimmen beizubringen. Abgesehen davon hatten wir schon Tags zuvor festgestellt, dass das Profil am Hinterreifen deutlich schneller verschwindet als uns eigentlich lieb gewesen wäre. Nach ungefähr 2500km seit Wechsel der Reifen war schon deutlich weniger als die Hälfte des Profils übrig, was uns in der Entscheidung bestärkte die Schwimmstunde zu verschieben.
Auf dem Rückweg hatten wir dann aber noch einen wunderbaren Blick auf die Ebene nördlich von Reykjavik. Und wir waren dankbar, dem Regen entfliehen zu können.
Für den nächsten Tag war dann ordentlich Wind angesagt, aber wir machten uns früh morgens vom Campingplatz Grindavik auf in Richtung Vulkan. Schon auf dem Weg dahin kann man die Auswirkungen des letzten Ausbruchs von 2024 beobachten. Damals war eine Lava Walze den Berg hinunter gerollt und hätte fast eines der Wahrzeichen verschlungen, das riesige Thermalbad "Blue Lagoon". Stattdessen ist "nur" die Straße verschüttet worden und wer von Reykjavik Richtung Süden fahren will, der fährt jetzt durch eine Wüste aus erkaltetem Gestein, durch das eine Straße gefräst wurde - ein beeindruckend apokalyptisches Bild.
Unsere Wanderung begann dann morgens um sieben Uhr auf einem vollkommen leeren Parkplatz, sodass wir uns schon Sorgen gemacht haben dass wir den falschen Startpunkt erwischt haben - auf dem Rückweg sollte dann aber alles voll von weißen Campervans der unterschiedlichsten Vermietungen sein, in deren warmen Innern morgens früh wahrscheinlich noch gemütlich Kaffee getrunken wurde.
Der Weg ist nicht besonders schwer, aber heftiger Wind machte es dann doch wünschenswert sich wie eine wandelnde Zwiebel zu kleiden.
Der Aussichtspunkt verschafft einen tollen Blick über die Lavafelder, die erst in jüngerer Vergangenheit entstanden sind und die erkaltete Gesteinsmasse sieht aus, als wäre sie vor ein paar Sekunden noch flüssig gewesen und als könnte man sie mit einem Campingkocher und ein wenig Motivation wieder in ein trinkbares Format überführen.
Nach dem Tanz auf dem Vulkan wollten wir uns langsam schon mal wieder in Richtung des Fähranlegers bewegen - zwar war zu diesem Zeitpunkt erst Montag und die Fähre geht Donnerstagmorgens, aber wie sich später herausstellen sollte weiß man bei so wechselhaftem Wetter ja nie und so wollten wir sicherheitshalber schon mal ein wenig Boden gut machen.
Als Campingplatz für den Abend hatten wir uns einen Platz am Þórsmörk ausgesucht, der hervorragende Bewertungen hatte uns besonders für Zelte gut geeignet sein soll. Etwas verwundert über die lange Fahrtdauer, die Google Maps ausspuckte machten wir uns los, bogen auf Höhe des Seljalandsfoss (einem Wasserfall hinter dem man durchlaufen kann) von der Ringstraße ab und kamen wieder mal auf eine Schotterpiste.
Was allerdings neu war, war dieses nasse durchsichtige Zeug, dass sich diesmal nach einigen Kilometern in Recht umfangreicher Weise über unsere Straße schlängelte - ein echter Fluss, quer über die Piste!
Keiner von uns war zuvor jemals durch tieferes Wasser als eine Pfütze gefahren, aber dieses Exemplar schien ein dankbares Übungsobjekt. Nach ein bisschen vorsichtiger Überlegung haben wir uns dann eine Stelle herausgesucht und im Nachhinein war die Überquerung dann auch wirklich gut machbar.
Nachdem das schon mal funktioniert hatte, haben wir dann noch Mal geschaut wie viele weitere Flüsse wir denn noch so vor uns haben, denn es waren noch mehr als 20km bis zum Campingplatz. Es stellte sich heraus, dass wir uns auf die F249 verirrt hatten - eine Straße die notorisch dafür bekannt ist Autos zu verschlucken und die wohl schon zahlreiche Mietwagen auf dem Gewissen hat. Insgesamt sind sind wohl noch viele weitere Flussdurchquerungen zu bewältigen, die - dramaturgisch wertvoll - immer tiefer werden bis am Ende die tiefste Durchquerung aller Straßen in ganz Island ansteht. Das überforderte Mensch und Material dann doch etwas, sodass wir beschlossen haben, dass auch der weniger gemütliche Campingplatz in Vik zur Not herhalten kann - und so ging's dann wieder mal kehrt Richtung Vik.


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