Sonntag, 8. Juni 2025

Sand und Schotter und Gabelöl - oder - Frittierte Bremsen statt geräucherten Puffins

Auch der nächste Tagestrip sollte uns noch Mal durch die relativ menschenleeren Westfjorde führen und zunächst sah es auch nach einer entspannten Tour entlang der Wasserarme aus. Allerdings fiel mir irgendwann auf, dass obwohl der letzte Regenschauer schon eine ganze Weile her war, mein Federgabel deutliche Zeichen von Nässe zeigten - und nasse Stellen an Motorrädern verheißen selten etwas Gutes. In bester Ludolf-Manier wurde also der Finger in die Flüssigkeit gesteckt und zum Glück blieb mir die Geschmacksprobe erspart, denn es wurde sehr schnell deutlich, dass es sich um Gabelöl handelt.

Bei den ganzen Schotterpassagen hatten wir teilweise einiges an Staub und kleinen Steinchen aufgewirbelt uns die hatten sich offensichtlich in die Dichtung des Tauchrohrs gesetzt, sodass die Dichtung ihrem Namen wirklich keine Ehre mehr machte und Einiges an Öl gefährlich nahe in Richtung Bremsscheiben lief.
Nach einigem hin und her und einer halben Klopapier-Rolle später war klar, dass bloßes Abwischen des Schmutzes nicht reichen würde und ohne drastischere Maßnahmen entweder die Gabel ohne Öl da steht oder meine Bremse unfreiwillig in Gabelöl frittiert wird.
Die Rettung kam in Form einer alten Cola Flasche, die in Form geschnitten als behelfsmäßiges Werkzeug dazu genutzt werden konnte um zwischen Tauchrohr und Dichtung zu fahren und zumindest den gröbsten Schmutz zu bereinigen.

Und offen gestanden widererwartend brachte die Maßnahme Erfolg und die Gabel sollte bis zum Ende von ihrer Inkontinenz befreit sein.

Ein kleiner Abstecher führte uns zu einer der wenigen militärischen Anlagen, die es auf Island gibt. Grundsätzlich gibt es zwar keine isländisch Armee, aber im zweiten Weltkrieg hatten die Briten begonnen, Radar- und Überwachungsanlagen auf der Insel zu stationieren. 
Die Radarstation ist auf einem 620m hohen Berg im Norden der Fjorde errichtet und man hat sich gedacht, dass es sich Verschwendung wäre dann nicht auch direkt eine Aussichtsplattform dazu zu bauen. Bei gutem Wetter soll am angeblich bis Grönland schauen können, aber uns war nur für wenige Sekunden ein winziges Loch in dem ansonsten dichten Nebel vergönnt, der den Berg umhüllte. Dann war es zwar nicht ganz Grönland aber die andere Seite des Fjords konnten wir sehen.


Nachdem wir das Konzept einer heißen Quellen am Campingplatz wirklich schätzen gelernt haben, wurde eine solche auch zum Hauptauswahlkriterium für unsere nächste Übernachtungsmöglichkeit - und so hatten wir einen Platz mit gleich 3 Quellen am Abend: eine Art Indoor Schwimmbad, eine Quelle direkt am Campingplatz und als Highlight ein natürliches Quellbecken mit angenehmen 40°, nur 5 Minuten Fußweg entfernt. Nach einem Marsch über eine wenig vertrauenserweckende Palettenkonstruktion konnten wir die von stundenlangen Schotterpisten fahren etwas verspannten Muskeln dann wieder durchweichen lassen.

Beim Abendessen mussten sich dann meine frisch gelockerten Muskeln wieder zusammen ziehen als ich einen Blick auf die Speisekarte warf - da war doch tatsächlich geräucherter Puffin als Vorspeise im Angebot. Dass die Tierchen am Boden nicht besonders schwer zu fangen sind kann ich mir ja vorstellen, aber einen von den ja auch als gefährdete Tierart eingestuften Plattfüßen zu verspeisen hätte ich dann doch nicht übers Herz gebracht. Ich bin dann zu dem Schluss gekommen, dass es sich sicher bei smoked Puffin um einen lokales Codewort wie "Halve Hahn" oder "Palatschinken" handeln muss und alle Puffins ungefährdet ihre Ziellandeübungen fortsetzen können.

Der nächste Tag sollte dann als einer der Highlights auf eine der Gebirgsstrassen führen, die sogenannten F-Roads. Das "F" steht dabei für "Fjalla", also Berg auf isländisch und Zutritt ist nur für entsprechend ausgestattete Fahrzeuge gestattet. So muss beispielsweise ein Allradantrieb vorhanden sein und für einige Strecken auch eine gewisse Bodenfreiheit oder bei größeren Flussdurchquerungen eine Mindestwattiefe.  Interessanterweise konnte ich für Motorräder keine harten Regeln finden, aber wir hatten uns für den Anfang mit der F66 auch eine Straße heraus gesucht, die bei gutem Wetter als einfach klassifiziert war. Zwar hatten wir im Vorfeld in Internet geprüft, ob die Straße gesperrt ist, aber vor Ort fanden wir dann entgegen vorheriger Recherche ein Verbotsschild. Und auch wenn die Bedingungen so aussahen als wäre die Straße durchaus passierbar, waren wir uns nicht sicher ob wir die Brut- und Nistzeiten der ansässigen Feen und Trolle gefährden würden wenn wir über die Sperrung hinwegsehen und zudem erschien es uns neben der Androhung einer ordentlichen Strafe auch wenig höflich - und so war nach einigen Kilometern kehrt Marsch angesagt.
Nach erneuter Konsultation der veröffentlichten Straßenbedingungen konnten wir dann feststellen, dass zumindest eine andere F-Road in der Nähe geöffnet und befahrbar sein soll, sie F578, sodass wir kurzerhand ungeplant haben und zumindest dort ein bisschen über Stein und Schlamm fahren wollten.
Und tatsächlich sollten wir dieses Mal die Gelegenheit bekommen, ein Stück in Richtung des Hochlandes zu fahren. Man konnte schon einen deutlichen Unterschied zwischen den "normalen" Schotterpisten und unserer Bergstraße spüren und ich kann verstehen, warum die Isländer vermeiden wollen, dass die Touristen mit ihren gemieteten Nissan Micras auf diesen Wegen unterwegs sind.

Unterwegs hatten wir noch das riesige Glück, zwei Polarfüchsen zu begegnen, die für einige Dutzend Meter parallel zu unserer Piste gerannt sind - wie wir später herausfinden sollten übrigens das einzige Landsäugetier, dass wirklich heimisch in Island ist und nicht vom Menschen mitgebracht wurde.
Auch wenn die F578 zwar als befahrbar markiert war, war es schon zu spät um die gesamte Piste zu fahren, sodass wir irgendwann umdrehen mussten um uns einen Platz für sie Nacht zu suchen. Und weil wir uns schon so an die heißen Bäder gewöhnt hatten, nahmen wir Kurs auf unseren Campingplatz vom ersten Tag und konnten bei einem budgetsparend im Flachmann eingeführten Rum in der Quelle den Tag Revue passieren lassen.

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