Samstag, 7. Juni 2025

Ab in die Westfjorde - oder - Eine Wand voller tollpatschiger Taucher

Obwohl Island wirklich nicht für sein karibisches Wetter bekannt ist, begann unserer erster richtiger Tag dort mit strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel - perfektes Wetter um unseren Trip in die Fjorde zu starten. 

Im Gegensatz zu der Ringstraße sind dort nicht alle Straßen asphaltiert, sodass wir unseren Kardanwellen-Kamelen endlich mal die Gelegenheit geben konnten, sich auf dem Schotterstraßen zu beweisen. Im Vorfeld hatten wir uns extra Stollenreifen montieren lassen, was sicherlich für die Schotterpisten etwas Overkill war, aber später noch nützlich sein sollte. Aber so mussten wir uns zumindest über den Grip keine Gedanken machen und konnten die den Fjorden folgend entlang des Wassers entlang fahren und das Gefühl entwickeln etwas abseits der großen Touristenströme unterwegs zu sein.


Vorbei an jede Menge Schafen, Pferden, Wiesen und Felsen hatten wir uns als nächstes Ziel eine Steilklippe gesetzt, die bekannt ist als Brutplatz der Papageientaucher - die etwas tollpatschigen Vögel mit den den großen orangenen Schnäbeln die fast schon das Wahrzeichen Islands sind. 

Der Weg dorthin führte uns wieder über Schotterwege zum äußersten westlichen Zipfel Islands, zum Látrabjarg.
Unterwegs vorbei an einem alten auf Grund gelaufenen Schiff konnte man merken, dass die Anzahl der Häuser immer weniger wird und der Verkehr auf den Straßen sich auf ein paar andere Autos pro Stunde beschränkt. 

An der Steilküste selbst haben wir dann die Motorräder stehen lassen und sind zu Fuß den Pfad entlang der Klippe marschiert. Eine unglaubliche Anzahl an Vögeln lebt, brütet und defekiert dort in den Felsen und insbesondere Lachmöwen waren dort zu hunderten in der Luft und auf den Felsvorsprüngen.

Und dann, nach einer Viertelstunde Fußweg konnten wir auch die ersten Papageientaucher ausmachen. Mit ihren viel kürzeren Flügeln und den großen Füßen mit Schwimmhäuten sind die ganz offensichtlich nicht dazu geboren, elegant die Aufwinde  abzusegeln wie die Möwen es tun. Jede Landung eines der Puffins wirkte so als könnte der Vogel sein Glück selbst kaum fassen, dass er tatsächlich auf dem Felsen angekommen ist und nach dem ersten Bodenkontakt war häufig einiges an Flügelgeflatter nötig um die Balance herzustellen - und meinst war mehr als ein Versuch pro Landung notwendig und die tollpatschigen Vögel mussten den Anflug noch Mal abbrechen und eine extra Runde drehen. 


Eine kurze Wikipedia Recherche hat dann aber ergeben, dass sie zwar nicht besonders geschickt im Fliegen sind, dafür aber über 40m tief tauchen können und sehr erfolgreiche Fischer sind - wahrscheinlich haben wir sie also Grade außerhalb ihrer Komfortzone erwischt und wir würden ja auch nicht wollen dass sich jemand über uns lustig macht wenn wir versuchen mit unseren Motorrädern einen Brutplatz auf einer senkrechten Klippe zu erklimmen.

Für die Übernachtung gab es einen Campingplatz er an ein Hotel angeschlossen war - ein Hotel das uns dankbar sein ließ, das wir unsere eigene portable Schlafkammer dabei hatten. Es war dann doch etwas arg runtergekommen und ganz offensichtlich profitierte es von den Durchreisenden, die sich die brütenden Vögel anschauen wollen. Als wir dann an der Bar eine Dose Ankunftsbier bestellten durften wir den Trick kennenlernen mit dem die Isländer in der dunklen Jahreszeit vom Alkoholismus abgehalten werden - es ist schlichtweg unbezahlbar. Eine ganz normale Dose Bier kostete umgerechnet 13€ und als die Bedienung mich fragte welche Sorte mir genehm wäre, wies sie mich gleichzeitig darauf welches der Biere den höheren Alkoholgehalt hat - aus Gründen der Ökonomie meinte sie.
Und so passten wir diesen Abend umso besser darauf auf, dass kein Tropfen verschwendet wird und versuchten nicht daran zu denken, wie viel Euro ein einziger Schluck Bier kostet.

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