Am Ende des Monats in Makuleke soll die Qualifikation zum "Apprentice Trials Guide" der Field Guide Association South Africa (FGASA) stehen und dafür müssen wir außer ein paar Löcher in Papier zu machen auch noch ein paar Seiten Papier mit halbwegs sinnvollen Inhalten füllen und zwar in Form einer theoretischen Prüfung. War die letzte Prüfung also nicht lange her, galt es sich jetzt schon mal langsam vorzubereiten auf die immerhin dreistündig Abfrage von Wissen rund um das Verhalten gefährlicher Tiere, Planung und Durchführung von Bushwalks, was zu tun ist wenn wir einem gewilderten Tierkadaver begegnen und wie so ein Gewehr überhaupt funktioniert. Zum meiner grenzenlosen Begeisterung durften wir zur Festigung dieser Lerninhalte ein rund 70 Seiten umfassendes Workbook ausfüllen und darin essenzielle Fragen des Lebens erörtern, bspw. ob wir als Menschen im Notfall all das Essen können was ein Pavian in sich hinein stopft. Vor dem Hintergrund, dass die auch gerne mal Elefantendung durchsuchen um sich an den leicht anverdauten Samen gütlich zu tun, was vermutlich ihre Interpretation unseres des Katzenkot-Kaffees ist, überrascht es wenig, dass die Antwort Nein lautet.
Damit wir dann aber beim ganzen Wälzen der Bücher nicht vollkommen die Motivation verlieren wurden wir dankenswerterweise an einen fast magischen Ort des Reservats hier entführt, den großen Fevertree Wald. Zwar haben wir ein kleineres Exemplar fußläufig vor der Haustür, aber der große Bruder wartet mit einer Atmosphäre, die wirklich unschlagbar ist. Nach Betreten des Waldes fühlt man sich fast wie nach Narnia entführt und in ein sattes Grün getaucht blüht um uns herum das Leben. Neben Impalas, Warzenschweinen und Paviane die sich menschentaugliche Nahrung zwischen die Zähne schieben, hat vor allem ein prächtiger Eland Bulle unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Fast wie man sich einen Rothirsch als König des Waldes in deutschen Forsten vorstellt, steht dieses Exemplar stolz in seinen grünen Reich und schaut zu uns herüber.
Direkt an den Wald angrenzend ist ein größeres Wasserloch, das Reedbuck Flay und als wir grade ankommen hängt bei den Hippos der Haussegen schief. Zwei Männchen die sich aufgrund aufkommender Wohnraumknappheit wegen der fortgeschrittenen Trockenzeit ein Wasserloch teilen müssen haben sich in in die spärlichen Haare bekommen. Und zur Konfliktlösung wirft man sich bei den Flusspferden nicht Worte an den Kopf sondern Kacke und zwar indem man sie direkt nach Verlassen des Enddarms mit dem Stummelschwänzchen schwungvoll seinem Gesprächspartner entgegen schleudert. In unserem Fall war das Schauspiel noch begleitet von lautem Geschrei und aufgeregtem geplatsche. Da nicht immer ganz klar ist wohin das aus diesem Konflikt als Verlierer hervorgehende Hippo dann seinen Rückzug antritt nahmen wir vorsichtshalber hinter einem umgefallenen Baumstamm Deckung. Die Sorge mit einem herannahenden Flusspferd konfrontiert zu werden erwies sich aber glücklicherweise als unbegründet und nachdem einer der beiden Streithälse zurück gezogen hatte war dann wieder Ruhe im Teich.
Ein weiteres Naturschauspiel konnten wir dann im Anschluss beobachten, als einer der Störche am Teich ganz stolz mit einem erfolgreich gefangenem Fisch im Schnabel von einer seiner Raubzüge im Wasser auftauchte. Nur scheinbar hatte der erfolgreiche Jäger zwar das richtige Werkzeug im Gesicht um Fische zu fangen, aber das mit dem Verspeisen im Nachgang wollte nicht so richtig funktionieren. Und so lief der Unglückliche eine ganze Zeit lang mit seiner schuppigen Errungenschaft im Schnabel durchs Wasser und versuchte immer wieder, sie so zu jonglieren, dass sie verschluckt werden kann, bis ein lauernder Fischadler es sich dann nicht nehmen lassen konnte, dem stelzenbeinigen Vogel zu demonstrieren, wie das mit den Fischen richtig funktioniert und er sich aufschwang um die Beute seinem hardernden Besitzer einfach aus dem Schnabel zu stibizen.
Auch am nächsten Tag hatten unsere Instructor einen landschaftlichen Leckerbissen für uns und wir durften durch einen kleinen Canyon spazieren, der angenehmen Schatten spendete und unter anderem das Zuhause eines Feigenbaumes war, der sich die fast senkrechte Wand empor schlängelte. Wirklich beeindruckend sich bewusst zu machen, dass die Wurzeln fast vollständig in dem Gestein hängen und die Nährstoffe nicht wie bei normalen Bäumen über den Boden aufgenommen werden können - und irgendwie konnten wir uns alle dem Gedanken nicht erwehren, dass der Baum so aussieht als wäre er der Wächter zu einem Tor in eine andere Welt oder zum Eingang eines verlassenen Inka Tempels.
Trotz all der Ablenkung war dann irgendwann der Tag gekommen an dem unsere theoretische Prüfung abgelegt werden muss. Ich hatte mich on Vorfeld darauf vorbeireitet, indem ich es mir mit einer Tasse Kaffee und unserem Lehrbuch in der Hängematte direkt vor unserer Hütte gemütlich gemacht hatte. Wo bei der Schießprüfung ohne größere Probleme noch ein zweiter Anlauf hätte genommen werden können, wäre ein durchfallen bei der Theorie eher ärgerlich, denn das hätte eine Wartefrist von einem Monat und somit das Ende der Hoffnungen auf die Zertifizierung bedeutet.
Das Examen hatte dann leichte Anwandlungen von Klausuren in der Schule und alle mussten sich schön verteilt im den Klassenraum setzen um nicht abschreiben zu können, aber mein größtes Problem lag darin, dass ich handschriftliche Ausführungen wirklich nicht häufig tätigen muss und nach drei Stunden Ausdauersport für mein Handgelenk vermutlich das vorangegangene Training durchs Tragen des Gewehres mindestens so prüfungsentscheidend war wie das Bücherwälzen.
Nach der ganzen Aufregung durften wir am Abend dann einfach Mal nur Gast sein und uns im Auto zur "Crook's Corner" chauffieren lassen. An diesem Punkt treffen sich die Grenzen von Südafrika, Zimbabwe und Mosambik an einem virtuellen Punkt irgendwo mitten im Limpopo Fluss. Der Name kommt wohl aus der Zeit in der (noch Mal als heute) geschmuggelt wurde und die Schmuggler durch die drei zur Auswahl stehenden Ländergrenzen jeweils der Rechtsverfolgung entgehen konnten, wenn der Zoll eines der Länder auf sie aufmerksam geworden war. Für uns stand aber abends nicht schmuggeln auf der Plan sondern das Genießen der Aussicht und die Bekanntgabe der Prüfungsergebnisse. Mit einer Ausnahme, bei der ein Schüler einen Teil der Prüfung noch Mal wiederholen muss hatten alle anderen aber bestanden und wir konnten mit einem Cider in der Hand auf den immer noch Wasser führenden Fluss schauen. Dort war für den Abend ein Familientreffen von Elefantenherden organisiert worden, die sich an den kühlenden Nass gütlich taten und gemütlich und mit vollkommen legal überführtem Elfenbein im Oberkiefer die Staatsgebiete wechselten.




















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