Freitag, 26. September 2025

Trails Guide in Afrika - oder - neues von der Wifi-Insel

Die folgenden Zeilen habe ich während der letzten 5 Wochen im Makuleke Nationalpark geschrieben, doch veröffentlichen konnte ich sie dort nicht - es gab schlichtweg kaum Internet. Abgesehen von einer Insel des Wifi über Satelitenanbindung, an der wir unsere Handys für 2-3 Stunden täglich Internet-baden lassen konnten, in der Hoffnung dass nach dieser Zeit ein paar Nachrichten synchronisieren.
Also werde ich die Artikel in den nächsten Tagen mit Bildern versehen und hoch laden - und auch wenn es vielleich etwas verwirrend ist: Ich bin mittlerweile wieder zurück und die Einträge spielen in der Vergangenheit.

 

Nachdem ich mich die letzten Monate mit verschiedenen Projekten beschäftigt gehalten habe, bricht jetzt mit einer Reise nach Afrika das vorraussichtlich erst mal letzte Kapitel meiner Auszeit an. Als kleines Highlight habe ich mich für den Trail Guide Kurs von Ecotraining angemeldet, der Ausbildungsorganisation bei der ich auch schon vor 3 Jahren meinen zweimonatigen Wildlife Kurs in afrikanischen Busch absolviert habe. Doch wo wir uns vor 3 Jahren noch in der Geborgenheit eines Allradfahrzeugs durch die Savanne geschlängelt haben, wollen wir den Großwild diesmal auf unseren eigenen zwei (evolutionär vollkommen benachteiligten) Beinen näher kommen. Was einem schon beim allerersten Ausflug in die Wildnis eingetrichtert wird hat gerade bei Ausflügen zu Fuß größte Bedeutung: "whatever happens, don't run", denn auch wenn der ein oder andere Safarigast zwar äußerliche Merkmale mit beispielsweise Hippos oder Elefanten teilt, so hat sich die Evolution einen Spaß daraus gemacht, dass selbst die Schnellsten unserer Spezies mit rund 38km/h Topspeed grade eben so ein gut genährtes Flusspferd hinter sich lassen. Alles andere, was uns so gefährlich werden kann, wie Büffel, Hyänen, Löwen oder Elefanten sind sowieso viel schneller. 

"Was du nicht in Hirn hast, musst du in den Beinen haben" bekomme ich häufig genug vorgehalten, wenn ich wieder irgendwas irgendwo vergessen habe und mich fluchend auf einen Fußmarsch mache um das Gesuchte einzusammeln,  aber interessanterweise ist es hier genau anders herum. Als körperlich eindeutig Unterlege Tierart müssen wir uns unterwegs hier auf den menschlichen Erfindergeist verlassen und der manifestiert sich bei den Bushwalks in Form einer Großkalibrigen Schusswaffe, die wir als letztes Mittel der Konfliktlösung mit uns tragen. Teil der Ausbildung hier ist es dementsprechend auch, einen sicheren Umgang mit diesem Knallstock zu pflegen und vor allem im Ernstfall auch dort Löcher zurück zu lassen, wo sie dem geordneten Rückzug der Wanderleute dienlich sind.
Damit wir als Schüler also auch an scharfen Waffen ausgebildet werden können begann mein Aufenthalt in Afrika am ersten Tag damit, dass wir einen Sachkundenachweis für Schusswaffen nach südafrikanischem Recht hinter uns bringen mussten. Der bestand einerseits aus einer ganzen Reihe theoretischer Fragen, die insbesondere rechtliche Rahmenbedingungen, sowie Aufbau der Waffen und Munition umfassen. Nicht alle der dort abgefragten Gesetzesnormen sind für den Mitteleuropäer sofort einleuchtend, so ist es absolut legal eine geladene Schusswaffe in der Öffentlichkeit bei sich zu tragen, aber nur wenn sie so mitgeführt wird, dass sie keiner sieht. Abgesehen davon ist es in der Tat notwendig, dass bei Eheleuten vor Beantragung eines Waffenscheins der jeweilige Partner für den Antragsteller ein frei zu formulierendes Charakterzeugnis erstellt, in dem unter anderem Erwägung zu finden hat, dass man nicht davon ausgeht dass der Partner einen in naher Zukunft mit der neu erworbenen Schusswaffe umbringen will. Mich würde sehr interessieren, ob und welchen Einfluss die Einführung dieser Vorraussetzung auf interfamiliäre Mordfälle hatte. 

Neben der theoretischen Prüfung galt es dann, eine praktische Schießprüfung abzulegen, die darin bestand, ein DIN A4 Papier aus einer Entfernung von 10m mit 5 von 5 Schüssen zu treffen. Auf unserem Blatt Papier war zwar eine Zielscheibe abgedruckt, aber als ich erfahren habe, dass es ausreichend ist irgendwo auf das Papier zu treffen um als "sachkundig" bewertet zu werden, war ich dann noch weniger sicher wie begeistert ich davon bin das grundsätzlich jeder legale Waffenbesitzer sein Schießeisen auch in der Öffentlichkeit ausführen darf.

Nachdem wir dann glücklicherweise auch die Hürde der praktischen Prüfung genommen hatten, war uns zumindest schon mal das PFTC Zertifikat (Professional Firearm Training Counsel) sicher und wir konnten uns noch ein wenig Johannesburg anschauen bevor es mit dem Buschbus ins Makuleke Private Game Reserve geht.




 In Ermangelung besserer Ideen und weil ich die meisten touristischen Highlights bei meinem letzten Besuch schon abgegrast hatte, habe ich mich in einen roten Doppeldeckerbus gesetzt und mich ein wenig durch die Stadt gondeln lassen.
Nachdem ich mich dann auf dem Rückweg per Uber am Gasthaus habe absetzen lassen und wenige Momente später mein Handy zücken wollte hatte ich einen kurzen Schockmoment - das Handy musste mir im Auto aus der Tasche gefallen sein und der Uber Fahrer war aber schon nicht mehr in Sicht. Eine leichte Panikattacke später bot mir der Mitarbeiter im Gasthaus an, dass ich sein Handy benutzen könne um meines zu suchen. Dank der Ortung über Google "Find my Device" konnte ich sehen, dass mein Handy in einem Hotelparkplatz gleich um die Ecke sein Dasein fristet. Nach einem Sprint mit dem ich sicherlich den meisten Flusspferden entkommen wäre kam ich zwar am Parkplatz an aber konnte grade noch die Rücklichter des Autos wegfahren sehen. Ein weiterer Sprint zurück ins Gasthaus und sehr viele versuchte Anrufe auf mein eigenes Handy später hatte ich die in diesem Moment engelsgleich erscheinende Stimme des Uber Fahrers am Rohr und konnte mit ihm einen Übergabepunkt ausmachen, sodass ich eine halbe Stunde später um ein Handy und er um ein großzügiges Trinkgeld reicher waren.
Nach dem Schrecken hatten wir dann für den Abend mit einigen der Teilnehmer des Trails Guide Kurses, die auch schon in Johannesburg warteten ein Abendessen organisiert. Was bei der Wahl des Restaurants nicht offensichtlich war, ist dass es Teil eines riesigen Kasino Komplexes war und so haben wir den letzten Abend in der Zivilisation mit einem Hauch von Las Vegas unter einer nackten Elvis-Statue portugiesische Fleisch-Spieße verzehrt. 
Am nächsten Tag ging morgens um sieben der Bus Richtung Norden, zum äußersten nördlichen Zipfel des Krüger Nationalparks. Dort befindet sich, ungefähr zwei Autostunden von der nächsten größeren Menschensiedlung entfernt das Camp in dem wir die nächsten 4 Wochen verbringen werden. 



Im Vergleich zu anderen Camps leben wir hier im absoluten Luxus und statt der sonst üblichen Zelte gibt es hier Hütten mit eigenem Bad. 




Der Tagesablauf besonders der ersten Tage ist allerdings straff durchgeplant - geweckt wird morgens um 05:00 Uhr - außer es steht etwas besonderes an, wie der Besuch der Schießbahn, dann ist es 04:00 Uhr. Nach einer kurzen Phase, in der die Teilnehmer mit mehr oder weniger Gewalt versuchen ihre Augenlider auseinander zu bringen, gibt es eine halbe Stunde nach dem Aufstehen die Möglichkeit, diesen Vorgang durch die Einnahme Kaffee-artiger Substanzen zu beschleunigen. Und gegen die größten Löcher im Magen werden Rusks bereitgestellt, Kekse die so trocken sind wie das Land hier und erst Mal durch tunken in ein Heißgetränk in einen verzehrbaren Aggregatezustand überführt werden müssen. Mit den ersten Sonnenstrahlen um 6:00 Uhr setzen sich dann zwei Gruppen parallel zu Fuß in Bewegung und marschieren meinst so 4-5h durch die Wildnis bis gegen 11 Uhr dann im Camp ein Frühstück eingenommen wird, das eher einem Brunch gleicht. Neben Bacon, Porridge und frischen Früchten kommen wir hin und wieder auch in den Genuß frisch gebackenen Brotes oder frittierter Teigbällchen, die aufgrund ihres Fettgehalts vermutlich notfalls als behelfsmäßige Kerze oder als Rostschutz für Auto verwendet werden können, aber hervorragend schmecken.
Unmittelbar nach dem Frühstück wartet dann eine Einheit Theorie auf uns, in der wir neben der Eigenheiten und Verhaltensweisen der einzelnen Tierarten auch lernen, was einen guten Trails Guide ausmacht. Nach der Vorlesung wartet dann meist schon ein "Mittagessen" auf uns, dessen Sinn sich selbst mir als leidenschaftlichen Esser noch nicht ganz erschlossen hat, war die letzte Mahlzeit doch erst wenige Stunden her. Und unmittelbar im Anschluss daran bestand der Nachmittag der ersten 10 Tage unseres Aufenthaltes dann darin, Drills an den Waffen zu üben. Neben der eher überschaubar Komplexen PFTC Qualifikation ist es nämlich als Teil des Kurses vorgesehen, die ARH (Advanced Rifle Handling) Prüfung abzulegen, welche um Lichtjahre schwieriger ist. Bis Sonnenuntergang wird also das sichere Laden, Entladen, Beheben von Störungen und andere Abläufe geübt, die nach anderthalb Wochen in Form einer mehrstufigen Prüfung demonstriert werden müssen.
Nach einem meist wirklich reichlichen und exzellenten Abendessen bleibt mir dann häufig gegen 21 Uhr nicht mehr viel Energie bevor am nächsten Tag wieder ein volles Programm auf uns wartet.

1 Kommentar:

  1. Alter - ich glaube du brauchst professionelle Hilfe 🙈🤣🤣🤣 ich komme !
    Liebe Gruesse Ralph

    AntwortenLöschen