Montag, 7. April 2025

Die Pilgerei beginnt - oder - die Hobbits ohne Ring

 Nach Ankunft mit dem Bus auf der Insel Shikoku Nahe Tokushima beginnt unsere erste Etappe zu Fuß zum Ryozen-ji Tempel, dem ersten Tempel der 88-teiligen Pilgerreise. Es handelt sich um einen wunderschönen buddhistischen Tempel, an dessen Eingang ein kleiner Pilger-Shop eingerichtet ist in dem sich der moderne Pilger von heute mit dem notwendigen Zubehör eindecken kann. Traditionell tragen die Pilger dabei ein weißes Gewand von dem wir mittlerweile erfahren haben dass es dem traditionellen Begräbnis Gewand entspricht, sowie einen spitzen Bambus Hut und einen Stab. Außerdem gibt es die Möglichkeit, an jedem der Tempel einen Stempel und eine kalligrafische Zeichnung in einem speziellen Buch zu sammeln. Wenn man schon mal in Japan, dem Land der Pokémon ist kann man sich den sammeln selbstverständlich nicht entziehen, sodass ich zwar auf die Verkleidung verzichtet habe aber mir zumindest das Sammelbuch zugelegt habe.



Der Tempel selbst ist wirklich beeindruckend von innen und stellt ein großes fast Park-artiges Areal dar - besonders eindrucksvoll war der Hauptteil, in dem viele dutzende wenn nicht sogar hunderte erleuchtete Laternen hingen. Schon im Osaka hatten wir das Reinigungsritual kennen gelernt, mit dem man sich vor dem Besuch eines Tempels säubert. Eine der an der Wasserstelle ausgelegten Kellen wird zuerst mit der linken Hand gegriffen um die rechte Hand mit Wasser zu übergießen, im Anschluss wechselt die Kelle die Hand und das Prozedere erfolgt umgekehrt. Man gießt anschließend ein wenig Wasser in die linke Hand um damit die Lippen zu berühren, übergießt die linke Hand noch einmal mit Wasser und schwupps ist man physisch und spirituell ein gutes Stück sauberer.

Aus Gründen des Respekts vor der religiösen Stätte haben wir entsprechend der Schilder dort darauf verzichtet, dort Fotos zu machen, aber andere haben das nicht so genau genommen - und wer sich einen Eindruck verschaffen will findet bei Google Maps ein paar Gute:

https://maps.app.goo.gl/1RPxtWH4zt5fqEiF7

Wir haben es uns jedoch nicht nehmen lassen in gebührendem Abstand außerhalb des Tempels ein "Vorher" Bild unserer Reise zu erstellen um zu prüfen ob die währenddessen gewonnene Einsicht und innere Einkehr auch optisch erkennbar sein wird.


Der Wanderweg ist überall hervorragend ausgeschildert und führt den ersten Tag fast ausschließlich durch die kleinen Städtchen und Vororte, meist entlang von Straßen und Feldwegen. Die Kirschblütensaison wird auch hier immer wieder deutlich weil die Wege von Kirschbäumen gesäumt sind und man sich zwischenzeitlich wirklich fragt wer A) die ganzen Kirschen essen sollen und B) ob die ganzen Bienen, Hummeln und anderen Insekten es nicht furchtbar leid sein müssen, derart auf Trennkost gesetzt zu werden. Schön ist es aber trotzdem.


Unsere erste Nacht verbringen wir twas abseits des Weges auf einem kleinen Wirtschaftsweg in unseren Biwaks und am nächsten Tag geht's morgens früh mit Sonnenaufgang wieder los.

Mittlerweile bei Tempel 3 angekommen ist dieser noch geschlossen und ich kann auch mal ein Foto von einem Tempel machen ohne jemanden dort zu stören:


 Verpflegung unterwegs ist absolut gar kein Problem, denn alle Nase lang gibt es Convenience Stores, die alles mögliche an Essbarem verkaufen. Von klassischen Snacks wie Chips oder Schokolade bis zu unserem aktuellen Favoriten: Baumkuchen haben sie alles was ein normaler Kiosk auch so hat. Aber zusätzlich gibt es alle möglichen Varianten von Sushi, Udon Nudeln, frittiertem Hühnchen, Broccoli-Shrimps-Salat, eigenartig luftigen Teigbällchen mit Pizzafüllung und einer wilden Vielfalt anderer Reisgerichte. Und dabei ist fast unfassbar wie günstig diese doch erstaunlich hochwertigen Lebensmittel sind.

Diese Onigiri - dreieckige, gefalteten Algenblätter, die mit Reis und bspw. Thunfisch oder Lachs gefüllt sind Kosten hier pro Stück gerade mal umgerechnet einen Euro - wo ich beim Rewe in Deutschland für eine deutlich schäbigere Variante schon ein Vielfaches bezahlt habe. Solche Shops laden uns dann immer wieder zu kleinen Päuschen ein, und sei es ein Eis, ein frittierter Tentakel oder ein aufgespießter Reispudding, irgendwas zum Kalorienausgleich findet sich immer.

Besonders erfreulich sind solche Pausen, wenn man sie mit dem Besuch eines der Parks verbinden kann, die zu Ehren der Kirschblüten extra geschmückt sind und dazu einladen gemütlich ein paar Minuten die Beine baumeln zu lassen 

Und so führt uns unser zweiter Tag in etwas hügeligeres Gelände, in dem wir den Städten ein Stück weit entfliehen können. Überall am Rand kann man trotzdem Buddha Statuen sehen, die häufig mit feschen roten Lätzchen oder teils selbst gestrickten Mützen geschmückt sind. Wir haben gelernt dass die Farbe rot dabei helfen soll das böse zu vertreiben und deswegen immer wieder rote Gegenstände an den Figuren angebracht sind.


So führt uns der Weg jetzt zu einem Punkt der auf der Karte sehr trocken als "Nice View" verzeichnet ist, der seinem Namen aber durchaus gerecht wird.


Angeblich sollen hier ein paar Wildschweine ihr Unwesen treiben, weswegen wir zur Sicherheit mal lieber selbst fast alles am Vorräten aufgefuttert haben. Noch viel weniger möchte ich allerdings vermutlich den Wespen und Hornissen begegnen, die hier wohl herum surren und für die einige Warnschilder unterwegs angebracht sind 



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