Bei der Recherche, wo man zu dieser Jahreszeit bei gemäßigtem Wetter und abwechslungsreicher Landschaft ein Ründchen drehen kann, sprang mir dieses Land ins Auge, auch weil sich im April die berühmte Kirschblütensaison vieler begeisterter Besucher erfreut. Unterwegs sind wir dieses Mal zu zweit - ich gemeinsam mit Francis, mit dem ich während meiner letzten Auszeit zwei Monate im südafrikanischen Busch verbracht habe. Es traf sich so, dass auch er grade ein paar Monate Zeit hatte und so beschlossen wir gemeinsam den Rundweg um die japanische Insel Shikoku zu wandern. Einerseits handelt es sich dabei im einen Fernwanderweg, andererseits aber auch um einen traditionellen buddhistischen Pilgerweg, bei dem man an insgesamt 88 Tempeln vorbei kommt.
Als Ausgangspunkt unserer Reise hatten wir Osaka gewählt, wo auch der nächste Flughafen in der Nähe der Shikoku Insel liegt. Als alte Handelsmetropole mit ca. 2,6 Millionen Einwohnern konnten wir uns hier an das Leben in Japan akklimatisieren, bevor es zu Fuß durch die ländlicheren Regionen geht.
Das erste was einem unmittelbar ins Auge fällt, wenn man in Osaka den Bahnhof verlässt ist, dass die Straßen blitzeblank sind, fast keine Bäume oder andere Vegetation in der Stadt zu finden sind und alle paar Meter ein Getränkeautomat steht. Aus unerfindlichen Gründen stehen diese Dinger ähnlich einer blinkenden Terrakotta Armee an jeder Straßenecke und vielleicht ist es die ständige Verfügbarkeit gekühlter Getränke, die zu der hohen Lebenserwartung der Einwohner beiträgt.
Die Stadt selbst ist furchtbar wuselig im Zentrum und erstaunlich Auto-arm sobald man den inneren Bereich verlassen hat. Aber insbesondere der Bereich um die Haupteinkaufsstraßen in Dotombori und Shinsaibashisuji ist genauso wie man sich eine hektische Großstadt vorstellt - überall blinkende Reklametafeln auf denen entweder gut gelaunte Japaner Meeresgetier verzehren, dass ich noch nie vorher gesehen habe oder Comic-Figuren die in heroischen Kurzgeschichten für alle möglichen Güter werben - von der Zahnbürste zur Suppennudel.
Überhaupt nehmen Manga-artige Zeichnungen hier eine sehr große Rolle ein. Wo in Deutschland ein offiziell aussehendes Verbotsschild steht findet man hier einen gezeichneten grummelig dreinschauenden Polizisten und bei der Einreise erklärt einem eine als Hund verkleidete zottelige Gestalt, dass die Einfuhr von tierischen Produkten mit jahrelanger Haftstrafe geahndet werden kann.
Bemerkenswert ist weiterhin, wie die Japaner sich an das Leben auf engstem Raum angepasst haben - angefangen von der Größe der Autos, über den zur Verfügung stehenden Wohnraum bis hin zu ihren Körpermaßen ist hier alles kompakt und platzsparend.
Als Unterkunft, die wir uns zu zweit geteilt haben hatten wir uns beispielsweise ein traditionelles japanisches Gasthaus ausgesucht. Es stellte sich allerdings heraus, dass vermutlich jede Teeküche eines norwegischen Gefängnisses deutlich größer als dieses 2-Personenzimmer ist und spätestens nachdem die Wanderrucksäcke ausgepackt waren das Verlassen des Raumes einer Runde Twister gleich kam.










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