Samstag, 5. April 2025

Ein neues Kapitel in Japan - oder - Autos wie Bulldoggen und Rehe wie Wackeldackel


 Eine neue Reise beginnt und diesmal zieht es mich ins Land der Samurai und der Oktopusbällchen - Japan.

Bei der Recherche, wo man zu dieser Jahreszeit bei gemäßigtem Wetter und abwechslungsreicher Landschaft ein Ründchen drehen kann, sprang mir dieses Land ins Auge, auch weil sich im April die berühmte Kirschblütensaison vieler begeisterter Besucher erfreut. Unterwegs sind wir dieses Mal zu zweit - ich gemeinsam mit Francis, mit dem ich während meiner letzten Auszeit zwei Monate im südafrikanischen Busch verbracht habe. Es traf sich so, dass auch er grade ein paar Monate Zeit hatte und so beschlossen wir gemeinsam den Rundweg um die japanische Insel Shikoku zu wandern. Einerseits handelt es sich dabei im einen Fernwanderweg, andererseits aber auch um einen traditionellen buddhistischen Pilgerweg, bei dem man an insgesamt 88 Tempeln vorbei kommt.

Als Ausgangspunkt unserer Reise hatten wir Osaka gewählt, wo auch der nächste Flughafen in der Nähe der Shikoku Insel liegt. Als alte Handelsmetropole mit ca. 2,6 Millionen Einwohnern konnten wir uns hier an das Leben in Japan akklimatisieren, bevor es zu Fuß durch die ländlicheren Regionen geht. 

Das erste was einem unmittelbar ins Auge fällt, wenn man in Osaka den Bahnhof verlässt ist, dass die Straßen blitzeblank sind, fast keine Bäume oder andere Vegetation in der Stadt zu finden sind und alle paar Meter ein Getränkeautomat steht. Aus unerfindlichen Gründen stehen diese Dinger ähnlich einer blinkenden Terrakotta Armee an jeder Straßenecke und vielleicht ist es die ständige Verfügbarkeit gekühlter Getränke, die zu der hohen  Lebenserwartung der Einwohner beiträgt.



Die Stadt selbst ist furchtbar wuselig im Zentrum und erstaunlich Auto-arm sobald man den inneren Bereich verlassen hat. Aber insbesondere der Bereich um die Haupteinkaufsstraßen in Dotombori und Shinsaibashisuji ist genauso wie man sich eine hektische Großstadt vorstellt - überall blinkende Reklametafeln auf denen entweder gut gelaunte Japaner Meeresgetier verzehren, dass ich noch nie vorher gesehen habe oder Comic-Figuren die in heroischen Kurzgeschichten für alle möglichen Güter werben - von der Zahnbürste zur Suppennudel. 



Überhaupt nehmen Manga-artige Zeichnungen hier eine sehr große Rolle ein. Wo in Deutschland ein offiziell aussehendes Verbotsschild steht findet man hier einen gezeichneten grummelig dreinschauenden Polizisten und bei der Einreise erklärt einem eine als Hund verkleidete zottelige Gestalt, dass die Einfuhr von tierischen Produkten mit jahrelanger Haftstrafe geahndet werden kann.

Bemerkenswert ist weiterhin, wie die Japaner sich an das Leben auf engstem Raum angepasst haben - angefangen von der Größe der Autos, über den zur Verfügung stehenden Wohnraum bis hin zu ihren Körpermaßen ist hier alles kompakt und platzsparend.

Als Unterkunft, die wir uns zu zweit geteilt haben  hatten wir uns beispielsweise ein traditionelles japanisches Gasthaus ausgesucht. Es stellte sich allerdings heraus, dass vermutlich jede Teeküche eines norwegischen Gefängnisses deutlich größer als dieses 2-Personenzimmer ist und spätestens nachdem die Wanderrucksäcke ausgepackt waren das Verlassen des Raumes einer Runde Twister gleich kam.

Ebenso interessant sind die Autos hier, die so aussehen als hätte man in eine rechteckige Grundfläche versucht so viel Auto wie möglich zu gießen. Mit dem Erfolg, dass die Dinger aussehen als wären sie entweder vorher zu Gast in einer zu großen Schrottpresse gewesen oder mit einer  überzüchteten französischen Bulldogge gekreuzt worden.

Ein weiteres Phänomen hier sind themenbasierte Cafés oder Bars, wobei die Spanne von Manga Cafés über Kerker bis hin zu Maid Cafés mit zweifelhaft kompetentem französischen Reinigungspersonal reicht. Eine Variante, die ich mir nicht entgehen lassen konnte war ein Minipig Café, bei den man inzwischen herumtollender Minischweine sitzen und seinen Kaffee trinken konnte. Die Schweinchen können sich da frei bewegen und ab und zu kommt mal eins zu Besuch. Der Geschmack des Kaffees selbst, sowie die Tatsache dass nicht jedes der Schweine frisch geduscht roch lässt allerdings die Frage aufkommen ob diese Sorte Café wirklich massentauglich ist.



Eine tierische Begegnung, die wir am folgenden Tag besucht haben waren die sogenannten "Bowing Deers" also die sich vorbeugenden Rehe von Nara.
In Nara befindet sich einer der bedeutendsten Schreine der Shinto Religion, die nendn dem Buddhismus die größte Rolle in Japan spielt. Den Rehen dort wird etwa seit dem 7. Jahrhundert nach Christus nachgesagt, dass die Botschaften der Götter empfangen können, weswegen sie halbwegs heilig sind. Scheinbar haben sie aber irgendwann gemerkt, dass die Botschaften der Götter nicht so wirklich satt machen und irgendwann damit begonnen sich vor den Mönchen dort zu verbeugen - mit dem Erfolg, dass diese Geste der Höflichkeit mit Futter belohnt wurde. Diese Form der höflichen Bitte um Zuwendung haben sie sich bis heute erhalten und so laufen in der Umgebung des heiligen Schreins mehrere tausend Stück Sikawild herum, das sich mit einer teils ziemlich fordernden Attitüde vor den Besuchern dort verbeugt, in der Hoffnung dass die Höflichkeit in der dort käuflich zu erwerbenden Reh-Keksen vergolten wird.




Nach einem obligatorischen Besuch der Burg von Osaka und des Naturkundemuseums geht es jetzt in Richtung der Shikoku Insel, wo unsere Wanderung starten soll. Bei angenehmen Wetter nehmen wir das hervorragende Netz öffentlicher Verkehrsmittel in Anspruch um mit einem wirklich bequemen Reisebus die ca. 150km von Osaka nach Tokushima zu gondeln.





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