Samstag, 12. April 2025

Vom Berg zur See - oder - statt "Instant Karma", "Karma-Insta"

Die letzten Tage führten uns weitestgehend weiter durch die Berge - insbesondere weil wir beschlossen hatten einen Teil des Weges, der durch die größeren Städte im Nordosten der Insel führt zu umgehen.

Wie ich anhand dieser mäßig professionellen Karte zu verdeutlichen suche geht der Weg ursprünglich wieder ein Stück nach Norden Richtung Tokushima in Richtung einer Industrie Städte. Wir hingegen haben uns entschlossen den Cyanfarben
eingezeichneten Weg direkt durch die Berge zu nehmen und die Städte auszulassen um direkt zu Tempel Nr. 20 zu kommen.




 Bei diesem Tempel und dem darauffolgenden Tempel Nr. 21 handelt es sich um einen Henro korogashi (遍路ころがし), übersetzt “where pilgrims fall”, also wieder einer halbwegs steilen Angelegenheit, bei der man wieder den ein oder anderen Hügel zu bezwingen hat.  Viele ältere Japaner quälen sich dort tapfer die Stufen hinauf und werden oben dann von den verschiedensten Buddha Varianten begrüßt.

Besonders hübsch war bei diesem Tempel ebenfalls, dass er im Hauptgebäude lauter hell erleuchtete Laternen unter der Decke hängen hatte. Das Innenleben der Tempel ist fast immer ausschließlich in Gold gehalten und bekommt durch die Beleuchtung von oben einen interessanten Glanz.



Immer wieder erregt unser doch recht umfangreiches Gepäck Aufmerksamkeit, doch bei Tempel 21, dem Tairyu-ji Tempel kam auch einer der Mönche in seiner gelben Robe auf uns zu und schaute und an als sein wir von allen guten Daikins verlassen, bis wir ihm dann erklärten, dass das nicht alles nur Essen sei sondern auch Camping Equipment. Darauf hin zückte er dann aus einer seiner Falten der Robe eine old school Digitalkamera und fragte ob es für uns in Ordnung sei auf dem Instagram Kanal seines Tempels aufzutauchen.Obwohl der Mönch wirklich nicht aussah wie ein klassischer Influencer bin ich gespannt ob wir uns bald auf seinem Kanal wiederfinden.
Als Tip zum Abschied gab er uns noch mit, dass 20 Min entfernt ein Aussichtspunkt ist, der für unsere anstehende Mittagspause ideal geeignet sei. Auch dort wieder hatte sich jemand die Mühe gemacht, einen bronzenen Buddha über das Tal wachen zu lassen, aber es schien ihn nicht weiter gestört zu haben, dass wir uns mit einem eingelegten Ei und ein in Reis eingepackten Meeresgetier zu ihm gestellt haben.


Nach einer weiteren Nacht in den Bergen führte uns die Straße in die Nähe der Küstenregion. Hier wird insbesondere deutlich, dass die Landwirtschaft hier vollkommen anders zu funktionieren scheint als in unseren Breiten. Vielfach sind dort winzige Felder, die jeweils von einzelnen Personen mit ebenso winzigen Maschinen bearbeitet werden. 

Heute war vielerorts scheinbar der Tag des Reis pflanzens, sodass wir an ganz vielen Felder ganz viele Treckerchen dabei beobachten konnten, wie frische Reispflanzen in die überfluteten Reisfelder eingesetzt wurden.
Außerdem scheint jedes Haus über mindestens einen Gemüsegarten zu verfügen, der stets wohlgepflegt ist und die unterschiedlichsten Nutzpflanzen beherbergt - aktuell ganz offensichtlich überwiegend Kohl.
Neben Pflanzen sind uns mittlerweile auch einige wilde Tiere über den Weg gelaufen. Eines, das auch in der lokalen Folklore wohl eine große Rolle spielt ist der japanische Marderhund oder Tanuki. Ein äußerst wuscheliger Geselle, den wir auf einer Orangenplantage durchs Gelände haben hüpfen sehen und der an eine Mischung aus Waschbär und Fuchs erinnert. Der Sage nach soll der Tanuki seine Gestalt wandeln können und sich in Menschen verwandeln können um ihnen dann Streiche zu spielen.

Abgesehen davon wieselte heute sich ein Wiesel vor unseren Füßen entlang und eine Fülle an Schmetterlingen und das Gequake von zahllosen Fröschen begleitet uns.
Letztendlich hat uns der Weg jetzt wieder zu Küste gebracht und wir durften heute den Tag weitestgehend an Stränden entlang spazieren.


Nach heute mal gut über 40.000 Schritte haben wir das große Glück, kurz nach Sonnenuntergang nocjd eine absolute Luxus Unterkunft gefunden zu haben. Eine Aussichtsplattform mit einer wunderbaren Sicht auf das Meer soll für heute unsere Schlafstädte sein und wir sind äußerst dankbar, dass wir hier ganz verlassen und einige Kilometer entfernt vom nächsten Ort unser Lager aufschlagen können.





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